A Pleasant Lie, That 2.0 |

Reverse The Waterfall

VON SICHERER HÖHE

„Was ist nur mit mir passiert?“ wunderte sich die Amsel. Ganz erbärmlich frierend saß sie auf einem Ast während der Regen auf ihr dunkles Gefieder tröpfelte. Stundenlang saß sie so da und die Sekunden schwebten endlos langsam wie der Regen an ihr vorüber. Es roch nach nasser Erde und feuchtem Laub und durchtränkter Luft. Ihre Flügel schmerzten, denn die Katze hatte sie erwischt und ihre Schwingen an mehreren Stellen einfach durchgebissen. Quer über ihre Brust zogen sich tiefe Spuren von Krallen und ihr Gefieder war grausam blutig verklebt.

Müde blickten die sanften, braunen Augen in den Garten hinunter. Ein Glück, dass sie sich mit letzter Kraft auf den hohen Baum hatte flüchten können. Aber ihr kleiner Körper fühlte sich wie Blei an und wurde immer schwerer. Gleich würde sie wegnicken, aber dann würde sie sich kurz schütteln und aufplustern. Ihr Mund war trocken und als sie versuchte zu schlucken, kam kurz ihre rosafarbene Zunge zum Vorschein und ihre Augen blinzelten schmerzverzehrt. Ihr Fuß war gebrochen, sie fühlte es. Als sie auf der Flucht im Zaun hängen geblieben war, muss sie ihn beim Losreißen gebrochen haben. Wenn sie ganz still sitzen blieb, dann würde sie es vergessen können, aber sie konnte nicht still sitzen bleiben. Sie würde einschlafen und vom Baum fallen. Die Katze würde sie finden. Sie war gerade nicht zu sehen, aber sie war dort unten und wartete.

Die Amsel wünschte sich, sie könnte fortfliegen, aber ihre Flügel konnten nicht. Zaghaft versuchte sie den rechten Arm auszustrecken, aber es schmerzte zu sehr und entmutigt ließ sie ihn sinken. Traurig schweifte ihr Blick wieder über den Garten. Wenn sie schon nicht davonfliegen konnte, so wollte sie doch für immer auf dem Baum bleiben. Über allem schweben, die Gefahr immer weit unter sich, wo sie niemals zu ihr hochreichen würde. Ein wenig beruhigt schloss der Vogel seine Lider halb. „Ich möchte auf diesem Baum bleiben. Bitte behalte mich bei dir!“ Wäre er dazu in der Lage gewesen, der Baum hätte sanft gelächelt und das verletzte Tier hätte selig zurückgelächelt.

Ein Windhauch kam auf, doch der Vogel hatte seine Lider ganz geschlossen und würde sie nicht mehr öffnen. Mit dem Wind flog seine kleine Seele davon und wirbelte in der Krone des Baumes. Als sein lebloser Körper drohte in die Tiefe zu fallen, legte der Baum sanft einen Ast auf den Rücken des Tieres, um ihm seinen sehnlichen Wunsch zu erfüllen. Die Katze hat den Vogel niemals mehr bekommen…

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1 Comment »

Silvio:

jöö, schön. :)

September 16th, 2011 | 19:45
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