A Pleasant Lie, That 2.0 |

Reverse The Waterfall

Arschtritte aus der Zwischenwelt II

I Destroy Orders.

Donnerstag Dez 15, 2011

Was soll ich sagen, nach all der Zeit? Wenn das Verstecken in Spielen nicht mehr funktioniert? Wenn der Alkohol leer ist und der Zeitvertreib mit Männern nicht mehr den gewünschten Effekt hat? Wenn sich ein Fingernagel nach dem nächsten zwischen meinen Zähnen verabschiedet? Zornig starre ich die Zimmerdecke an und sie starrt grimmig zurück.

Es ist nie einfach und selten macht man etwas richtig. Ich besonders nicht. Ich dachte, wenn ich anbiete für Senioren einkaufen zu gehen, würde ich etwas Gutes, etwas Richtiges tun. Ich habe ein seltenes Talent dazu, alles falsch zu machen, während ich alles richtig mache. Oder mich zumindest so zu fühlen. Aber ich weiß, dass es wichtig ist, für sich selbst zu sorgen und seine Bedürfnisse zu erkennen, anzusprechen und – wenn nötig und möglich – auch durchzusetzen.

Ja, Frau. Ich weiß, dass du eine schwere Operation hinter dir hast. Und es war deine Entscheidung nach viel zu kurzer Zeit wieder nach Hause zurückzukehren und die Reha von dort aus zu machen, obwohl du jemanden gefunden hast, der auf deinen Hund aufpasst… Nachdem du wochenlang subtil versucht hast, ihn mir aufzudrängen. Mir, die Hunde wie die Pest hasst. Ich bin nur deine scheiß Einkaufshilfe. Not your personal army. Ich werde dich nach einer Hüft-OP nicht stundenlang an Krücken über regennasse Straßen begleiten, wegen derer ich mich früher am Tag schon selbst auf den Arsch gelegt habe. Ich bin mir ziemlich sicher – das letzte Mal, als ich nachgeguckt habe, gehörte ich noch nicht zum Mobilen Pflegedienst. Und ich habe auch keine medizinische Ausbildung – ich bin einfach nur deine ehrenamtliche Einkaufshilfe. Nicht deine Gehhilfe, nicht dein Familienersatz, weil dein Sohn wohl keinen Bock hat, sich um dich zu kümmern, niemand, den du stundenlang vollschwallen kannst, weil dir sonst niemand mehr zuhört. Wenn ich es könnte, würde ich es machen, aber ich kann nicht, ich will nicht und das war auch nicht Teil der Abmachung. Ich kann nicht ständig für jeden der seelische Mülleimer sein und eure ganzen Brocken mit mir rumschleppen. Wenn ihr Hilfe wollt, dann nehmt dankend das an, was ich euch freiwillig und ohne Gegenleistung zu erwarten geben kann, aber redet mir nicht auch noch ein verdammtes schlechtes Gewissen ein, wenn ich euch Grenzen aufsetze.

‘Na, dann muss ich wohl gleich alleine zur Bank und zum Lidl humpeln.’
Super, Frau. Ganz toll!
‘Ich glaube, Sie missverstehen mich – ich kann einfach die Verantwortung nicht übernehmen, mit Ihnen bei diesem Wetter zu Fuß nach solch einer Operation durch die Gegend zu laufen. Ich bin kein ausgebildetes Pflegepersonal.’
‘Ach, für so was braucht man doch keinen Pflegedienst!’
‘Ich strecke Ihnen das Geld sonst auch gerne vor oder falls Sie jemanden kennen, dem Sie ihre Geldkarte anvertrauen würden, damit dieser für Sie das Geld abheben kann… Aber ich kann wirklich nicht mit Ihnen bei diesem Wetter rausgehen.’

Vor allem, wenn man bedenkt, dass die kürzesten Wege unter diesen Bedingungen wohl mehrere Stunden in Anspruch nähmen…
‘Nein, meine Karte würde ich nicht mal meinem Sohn anvertrauen! Und außerdem dachte ich ja auch, dass ich Sie jetzt nach der Operation mehr in Anspruch nehmen könnte. Ich darf ja auch nichts heben und dergleichen. Ich habe doch sonst niemanden.’

Aber wie zur gottverdammten Hölle hast du dir das vorgestellt, Frau? Dass ich jetzt jeden Tag stundenlang an deiner Seite weile, auf Kosten meiner eigenen Zeit, während du mich als Wortmülleimer missbrauchst? Ich erinnere mich an eines unserer ersten Treffen, an dem du mich sechs Stunden in Beschlag genommen hast – ‘Nur kurz zum Waschsalon, die Wäsche waschen!’ An dem Abend habe ich mich hemmungslos betrunken und über Kindesmissbrauch geschrieben, weil so viel in mir aufgewühlt wurde und du so viele Worte in mich reingeworfen hast, die ich nicht wieder loswerden konnte. Ich kann es einfach nicht – darf ich denn nicht Nicht-Können???

‘Ich kann Ihnen gerne ein paar Dinge weg- oder hin- und herräumen, wenn Sie mir zeigen, was wo hin muss..?’
‘Ach, darum geht es doch nicht!’
Und seitdem das Gespräch so unangenehm hin- und hergeräumt wird, würdigt sie mich keines weiteren Blickes mehr. Ich kann nicht und ich will nicht schwach werden. Ich hätte für dich eingekauft, auch mit meinem eigenen Geld. Ich hätte Dinge für dich hin- und hergehoben, obwohl das nicht Teil der Abmachung war. Ich trinke auch gerne 20, 30 Minuten einen Kaffee mit dir und höre mir an, wie die Operation verlaufen ist. Aber ich bin nicht dein persönlicher, kostenloser Pflegedienst und auch nicht die real-life Telefonseelsorge. Ich gehe nicht mit dir über regennasse Straßen voller Laub, während du Minuten für Meter an Krücken brauchst und sehe dann zu, wie du stürzt. Es hat mir schon nicht gefallen, als du mit deiner noch nicht operierten, kaputten Hüfte auf der Anrichte herumgekraxelt bist, weil du unbedingt die Bilder umhängen wolltest. Und nicht auf mich hören wolltest, weil die Bilder zu schwer waren und einen richtig festen in die Wand gebohrten Dübel benötigen.

Ich weiß, es ist schwer alt zu werden und wieder in einen Zustand der Abhängigkeit zurückzukehren, aber du musst es so akzeptieren. Und ziehe nicht aus Trotz und falschem Stolz Unbeteiligte mit in dein Dilemma, nur weil wir zu schwach und zu gutherzig sind, uns zu wehren oder Klartext zu sprechen. Und hör’ auf Menschen für deine Zwecke zu manipulieren und ihnen ein schlechtes Gewissen einzureden – ich bin mir sehr sicher, dass du sehr wohl genügend Menschen um dich herum hast, die dir helfen und dass du nur zu stolz bist, diese zu fragen. Ich habe deine Genesungskarten gesehen und ich habe – vielleicht ungewohnt für dich – zugehört, als du mir aus deinem Leben erzählt hast. Dein Sohn mag sich vielleicht nicht um dich kümmern, aber du hast viele Freunde – zumindest hast du sie so genannt. Was soll ich nun glauben?

Ich bin mir durchaus bewusst, dass gerade ich anderen Menschen besonders helfen müsste, weil ich es am lautesten propagiere und weil ich mich noch nützlicher machen sollte, als andere, aber eben auch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Das Zusammenleben klappt sonst nicht.

Beachtet einfach die Sinnlosigkeit dieses Artikels nicht – ich versuche mir selbst einzureden, dass ich alles richtig gemacht habe und jetzt hoffentlich nicht irgendwo in einer feuchten, dunklen Straßenrinne eine Frau mit gebrochener Hüfte rumliegt. Weil ich Grenzen gezogen habe, die die Freiheiten anderer Menschen außen vor lassen.

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Nice Monsters and Scary Sprites

Samstag Aug 6, 2011


Why not mixing it all up for a change?

Ahhh, ich wusste doch, dass ich dazu schon mal was geschrieben hatte, nur leider wäre dieser Teil des Mammut-Artikels aus dem November fast zu ‘forever a draft’ geworden. Ich sinniere hier darüber, inwiefern ich mir selbst widerspreche, wenn ich sage, dass die Menschen wieder mehr zusammenrücken müssen, dass ich wieder mehr Körperkontakt brauche, dass man Vorurteile, Ignoranz, Intoleranz und Misstrauen abbauen muss, meinen eigenen Forderungen aber nicht gerecht werde, weil sich am Abend in der Stadt ein fremder Mann, dessen Sprache ich nicht spreche, ohne Vorwarnung einfach in meinen Schoß legt und ich nicht weiß, ob ich nun naiv bin, weil mich jemand ausrauben/totficken will oder ob ich einfach nur ein intolerantes, kaltherziges Biest bin, dass andere hungernd und frierend in der Kälte der Welt zurücklässt.

Schwierig. Was sagt ihr?
(The titles are now music.)

Invaders Must Die

An einem Samstag vor einiger Zeit wollte ich aus dem Haus gehen, um die Welt ein wenig in mich einzusaugen wie ein Schwamm. Ich trank den Rest des lieblichen Weißweins, der mir am Freitag davor kaum über die Lippen gehen wollte; passend dazu fiel mir ein, dass ich definitiv noch etwas Alkohol brauchte, um das Wochenende zu “überstehen”.

Exkurs: Man kann wohl guten beziehungsweise vielmehr weniger guten Gewissens sagen, dass ich ein Alkoholproblem habe. Die Schuld dafür will ich nicht auf meine Vergangenheit schieben (Doch!), auch wenn die Herkunft dort ausgemacht werden kann – ich will es nur beenden. Doch aus der eben selben Erfahrungswelt ist mir bereits bekannt, wie unsinnig und peinlich Abschwörgelübde und winzige Erfolgsfeiern à la “Ich habe schon drei Wochen nichts mehr getrunken!” sind. Wie aber besiegt man eine Sucht, wenn man das Gefühl hat, dass einem eh schon so wenig im Leben vergönnt ist? Und wenn man beim Gedanken daran, nie mehr ein kühles Bier trinken zu dürfen ein bisschen in Panik gerät und am liebsten weinen möchte, weil sich der Geschmackssinn und die Seele, ja vielleicht der Körper selbst gegen diesen absurden Gedanken aufbäumen? Weil in der Einsamkeit der Alkohol oft der einzige Freund ist, der dich umarmt und dich von innen heraus wärmt, der deine wie winzige Spatzen in einem zu kleinen Käfig eingepferchten und wild umherflatternden Gedanken beruhigt und besänftigt.

Es ist hart – jetzt gerade würde ich am liebsten nur trinken und vergessen. Leider ist das Gefühl am nächsten Morgen nicht mehr gut und das Gesicht beginnt schon zu hängen.

An diesem Freitag, abends gegen 2000 also fuhr ich in die Stadt um Bier zu kaufen und setzte mich auch sogleich mit einem selbigen auf eine Bank in der Mönckebergstraße, beobachtete das schläfrig-geschäftige Treiben beim Schließen der Konsumtempel und sang zu den Klängen meines mp3-Players ein bisschen vor mich hin. Bis ein junger Mann auf mich zukam und sich zu mir gesellte. Er sprach so gut wie gar kein Deutsch – zumindest verstand ich nur ungefähr 20 % dessen, was er sagte. War mir auch egal, weil ich schon angeheitert war und ich sprach einfach vor mich hin oder ich sagte nichts – je nachdem, wozu mir die Rute pendelte. Wenn ich etwas sagte, dass er scheinbar verstand oder weil er an meinem Gesicht und meiner Stimmlage erkannte, dass es witzig gewesen sein musste, rammte er lachend seinen Kopf in meine Seite (.. the hell?) und grapschte mich an. Ich wusste nicht genau, wie ich darauf reagieren sollte. Früher wäre ich entrüstet aufgestanden oder hätte böse geguckt oder wäre beleidigend geworden. Jetzt schwieg ich einfach und ließ es quasi über mich ergehen. Sehr seltsam, wie man reagiert, wenn man völlig ausgehungert nach menschlicher Berührung ist…

Meine Grenze war allerdings doch irgendwann überschritten. Als er sich selbst auf die Bank und seinen Kopf in meinen Schoß legte und immer wieder versuchte meine Hand dazu zu animieren, sein Gesicht zu streicheln, wurde es mir zu viel. Ich habe das einfach auch gar nicht verstanden, wie sich ein völlig fremder Mann, dessen Sprache du nicht sprichst und dessen Gebräuche du nicht kennst, so mir-nichts-dir-nichts in deinen Schoß legen konnte. Woanders bedeutet das vielleicht, dass man nun verlobt ist?! Ich wollte also nach Hause und stieg in die Bahn. Der Junge folgte mir und hörte nicht auf, mich in der Bahn zu betatschen – die jungen Leute auf der Bank nebenan guckten komisch, als ich seine Hand weglege und “Ich will das nicht!” sage. Eigentlich fühle ich mich missbraucht und dennoch denke ich darüber nach, ob ich meinen eigenen Worten gerecht werde. Der Einsamkeit trotzen, für andere da sein, wieder mehr zusammenrücken. Aber bedeutet es wirklich das? Dass die eigenen Grenzen zerfließen und man im Kollektiv der Gefühle aufgeht? Ein bisschen mache ich mir auch Vorwürfe – was, wenn genau das der Mann deines Lebens ist und du ihn leichtfertig davonschickst? Vielleicht ist es der wiedergeborene Messias und du hast den Test nicht bestanden? Was ist, wenn der arme Junge zuhause verprügelt wird? Vielleicht ist er von zuhause ausgebrochen und sucht nun Zuflucht, weil er das warme, weiche Herz in dir entdeckt hat?

Die Gedanken sind so bullshittig.


An der Haltestelle habe ich große Mühe ihm begreiflich zu machen, dass ich nicht die Absicht hege, ihn mir nach Hause folgen zu lassen. Als er endlich von dannen zieht, renne ich so schnell durch die unterirdische Station davon, dass sich mein komplettes Bier über meinem Mantel ergießt und aufschäumt – nur weg, damit er nicht sieht, wohin ich flüchte. Das ist das zweite Mal, dass ich in Hamburg vor einem zudringlichen Mann davonrenne – beim ersten Mal war es ein verheirateter Kollege, der scheinbar vergessen hatte, wo sein Schwanz hingehört. Ich habe so geheult; vom Regen in die Traufe schien ich geraten zu sein. Warum sind Menschen so?



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No Commitment to the Body Jigsaw…

Dienstag Aug 2, 2011

Funny Pictures - Cat Gifs

Obwohl ich nicht das hellste Leuchtmittel im Kronleuchter bin, wie ich besonders in den letzten Wochen immer wieder feststellen muss/darf*, bereitet es mir einigermaßen großes Vergnügen und mittelfristige Befriedigung, mich mit mir selbst, meinen Gedanken, Entscheidungen, Erfahrungen, Erlebnissen und Taten zu befassen. Ich will den Scheiß analysieren, Zusammenhänge erkennen, mich selbst und andere besser verstehen lernen und irgendwann mal in der Lage sein, besser und relaxter auf meine Umwelt zu reagieren. Ich will weniger naiv und angreifbar durch die Welt gehen und irgendwann auf ein zufriedenes, erfülltes Leben zurückblicken können. Dieser Traum an sich hört sich schon naiv genug an, dass man laut lachen darf. Nur zu, es hält Sie keiner und es hört auch niemand zu. Ich zumindest nicht. Ich weiß auch, dass ich mich ständig wiederhole, aber es gibt nur so wenige Worte, die noch kein Mensch gesagt hat. Und außerdem würde ich natürlich wärmstens empfehlen, dass sich möglichst jeder mit dem befasst, was ich hier so schreibe, auch wenn es nicht zu seinem direkten Umfeld gehört. Das hier ist nämlich manchmal ganz schön klug und auch unterhaltsam! DEAL WITH IT!

Ich vertrete die Auffassung, dass man am besten dazu beitragen kann, die Welt zu verändern, indem man von sich selbst, seinen eigenen Gefühlen und Erfahrungen ausgeht und bei sich und seiner unmittelbaren Umwelt bleibt und dort anfängt die kleinen Schritte zu gehen. Man stelle sich lieber selbst in Frage. Mir fällt es zunehmend schwer in einer Welt von Manipulation, Meinungsmache, Unehrlichkeit und sehr viel gefährlichem Halb-, Viertel- oder noch weniger Wissen überhaupt noch eine legitime Aussage zu treffen oder eine halbwegs zutreffende und angemessene (d. h. nicht zu extreme, eher moderate) Meinung zu haben. Medien machen mir heutzutage mehr Angst, als sonst was, weil ich nichts mehr glauben kann. Ich will nicht sagen, dass man sich komplett vor den Nachrichten dieser Welt verschließen soll… Doch,… eigentlich will ich das sagen. Vielleicht sollte ich tatsächlich keine Meinung zu Kernkraftwerken haben, weil ich nicht weiß, wie die genau funktionieren und ob das wirklich so klug ist, sie von heute auf morgen abzuschalten. Ich hatte in Physik immer eine Sechs! :3 Ich habe auch keine Meinung zu Andreas Türck, Jörg Kachelmann, Dominique Strauss-Kahn oder Julian Assange, weil ich nicht dabei war und keiner mir sagen kann, was richtig ist oder falsch, außer mit 50 % Wahrscheinlichkeit diese Menschen selbst. Ich habe weiterhin Gurken gegessen, als das vor ein paar Wochen sehr unpopulär war und ich bin an diversen Epidemien noch nicht zugrunde gegangen. Ich muss auch nicht tagelang in diversesten Nachrichten darüber lesen, wie eine sechsköpfige Familie an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben ist – ich wäre selbst schon mal fast an einer gestorben, weil der neue Kohleofen noch mit Papier zugestopft war – da hat auch keiner eine Schlagzeile im Lokalteil verfasst, geschweige denn tagelang den nationalen Newsfeed damit zugecloggt.

Egal, darüber wollte ich überhaupt nicht schreiben. Sondern darüber, dass ich mich halt selbst gerne beobachte, vor allem im Zusammenspiel mit anderen Menschen, weil das im letzten Jahr so selten geworden ist. Und da hatte ich am letzten Wochenende eine tolle Gelegenheit zu, da ich fast vier komplette Tage zusammen mit anderen Menschen verbracht habe. YAY! Mit Menschen, die mir sehr am Herzen liegen. Gemeinsam haben wir ein verlängertes Wochenende in einem Haus in den Niederlanden verbracht und ich hatte viel Zeit zu beobachten und zu lachen und mich wieder wie ein Mensch zu fühlen. Ich habe mich wieder ‘zugehörig’ gefühlt, wo ich doch so oft – willentlich – die Einsamkeit eines Einzelkämpfers wähle und bevorzuge, weil es kompromissloser und undramatischer ist – Glücklicher ist es deswegen allerdings nicht.

Eine Sache konnte ich dabei besonders feststellen und sie gleichzeitig mit zwei ‘Ursachen’ verbinden: Ich habe zu wenig Körperkontakt! Und das meine ich nicht sexuell – oder sagen wir: Ich meine nicht den Körperkontakt, der gemeinhin als sexuell gewertet wird. Das ist nämlich genau das Problem. Dass meine Kindheit schon so sexualisiert wurde, dass ich bis heute immer noch teilweise erhebliche Probleme habe, ganz normale körperliche Berührungen auch als solche zu empfinden bzw. gar nicht weiter zu beachten, weil sie eigentlich normal sein sollten.

In manchen Situationen finde ich mich wieder, wie ich mich unglaublich darüber freue (!), dass eine Freundin oder ein Freund ohne erkennbaren Grund (!) über mein Haar streicht oder meine Schultern kurz massiert oder beim Reden mit der Hand kurz über meinen Oberschenkel streicht oder was weiß ich, was es da für mannigfaltige Möglichkeiten gibt. Und warum freue ich mich so? Weil ich mich dann wieder wie ein normaler Mensch fühle. Ja. Aber ich empfinde teilweise solch eine Euphorie oder bin einfach nur perplex, dass ich mich manchmal gar nicht mehr auf das Gespräch an sich konzentriere, sondern so etwas denke wie: ‘Ok, warum passiert das jetzt? Hat das was (sexuelles) zu bedeuten? o_O Eww, wie unpassend. Do. Not. Want.’ oder ‘Oh, wie schön, das freut mich so, dass man mich wie einen ganz normalen Menschen behandelt, der auch mal angefasst werden muss, damit er nicht eingeht – bitte nicht aufhören!’ oder ‘Das ist toll, einfach mal so berührt zu werden, ohne dass eine bestimmte Absicht dahintersteckt!’ oder ‘Ich freue mich, dass so was noch nicht komplett out ist – was macht uns heutzutage eigentlich noch menschlich?’

Ich weiß nicht, warum ich dabei teilweise so abgehe. Dem Ganzen – wie immer – mal wieder eine enorme Bedeutung beimesse. Und dann fange ich wieder an zu analysieren und Zusammenhänge zu suchen. Ich denke, es gibt zwei Felder: ‘Sehnsüchtige Euphorie – der ganz normale Alltagsscheiß’ – das Katzencompartment – und ‘Verwirrte Sextroyierung’ – wenn man als Kind und Jugendlicher zu viel Sex aufgezwängt bekommt, der zu der Zeit noch nicht dahin gehört.

Fangen wir mit dem unliebsameren Thema an, weil ich dazu auch gar nicht viel sagen will. Nur eine Geschichte, die mich heute noch total auscreept, for fuck’s sake! Ich denke schon, dass ich eigentlich ein sehr anhängliches Kind war, mit viel Bedürfnis nach körperlicher Nähe, was aber leider nicht so erfüllt wurde, wie es hätte sein sollen – was nicht nur an den (teils pädophilen) Partnern meiner Mutter lag. Meine Mutter selbst hat auch dafür gesorgt, dass ich immer genug von ihrer eigenen Sexualität mitbekam, zusätzlich zu der Tatsache, dass sie mich seelisch missbraucht hat. Woraufhin ich mich körperlicher Nähe verschlossen habe, weil ich mich als ‘lebendes Kuscheltier, das man bei Bedarf nutzt’ missbraucht fühlte. (Oder weil ich es war.) Ich konnte bei meiner Mutter auch nie wirklich einschätzen, ob sie mich nun als Kind liebgehabt hat und ‘normal’ berühren wollte, oder was davon schon die Sexualität war, die ich nie wollte, eben weil ich immer alles hautnah miterlebt habe und den Unterschied nicht gecheckt habe – falls es einen gab. Ohne das meiner Mutter explizit vorwerfen zu wollen, weil sie sich durch ihre eigene Kindheit dagegen vermutlich nicht wehren konnte. Schade drum. Whatevers, das alles habe ich als Kind natürlich nicht so gedacht oder analysiert, aber wohl so empfunden. Ich habe mich vor meiner Mutter, und ihrer vor meinen Augen frei ausgelebten Welt, geekelt. Zusätzlich zu all den Horror-Stories, die ich mir ständig über ihre Arbeit als Prostituierte und ihre Kindheit (von der eigenen Mutter für Schnapsgeld an Männer für orale Gefälligkeiten verkauft, im Kinderheim missbraucht, etc.) anhören durfte und den hautnah miterlebten Beziehungskisten, bei denen ich oft beratende und/oder vermittelnde Funktion einnehmen und am Ende auch noch büßen musste, wenn was nicht so gelaufen ist, wie es sollte (weil meine Mutter natürlich nicht das gemacht hat, was ich ihr geraten habe…), entstand dabei in meinem Kopf wohl ein einzigartig floraler Mix an ‘Körperliche Nähe ist schlecht’ – ‘Körperliche Nähe ist immer Sex’ – ‘Körperliche Nähe nur dann, wenn andere sie brauchen – nicht wenn du sie brauchst’ – ‘Wir mixen Körper und Seele einfach mal schön zusammen in diesem formschönen Cocktail-Shaker’. (SchwanzSchwanzSchüttler. See what I did there?)

BOAH!!!

Und jetzt die bescheuerte Story, über die ich heute nicht mehr so lachen kann, wie damals: Ich erinnere mich daran, dass ich mal ausnahmsweise – nachdem ich mich gefühlstechnisch schon immer weiter zurückgezogen hatte, weil ich nicht mehr benutzt werden wollte – morgens mit meiner Mutter zusammen im Bett lag und sie schlaftrunken meine Schneidezähne befühlte. ‘Du hast so schöne Zähne, Yennefa, ich bin richtig neidisch!’ Ihre Finger rochen abartig nach Arsch. Das habe ich ihr auch gesagt und sie roch und meinte: ‘Oh, Gott! Du hast Recht! Ich muss mich wohl heute nacht am Hintern gekratzt haben und hab’ es nicht gemerkt!’ Dann haben wir beide gelacht, weil ich ja auch eher der Fäkalhumor-Typ bin und dann habe ich mir die Zähne geputzt. Damals habe ich das auch geglaubt, diese harmlose ‘Kurz-am-Arsch-gekratzt-Geschichte’. Nachdem ich mich zwischenzeitlich aber selbst auch schon mal am Arsch gekratzt habe, kann ich wohl behaupten, dass Finger danach nicht SO erbärmlich stinken. Ich weiß ja nicht, ob anderen Leuten auch mal so etwas passiert ist, dass Mudda oder Vadda nachts im eigenen oder dem Arsch des Partners rumpörkeln und am nächsten Tag den Kindern mit ungewaschenen Flossen in die Fresse grapschen… Okay, jetzt muss ich doch wieder lachen! Was eine behinderte Scheiße! :D Die Story ist im Prinzip für den Rest auch völlig unerheblich (am Arsch sozusagen) – sowas passiert wohl halt mal… Berichtet mir gerne eure eigenen Erlebnisse mit dem Assfinger eurer Eltern im Mund! Unschön ‘berührt’ (im wahrsten Sinne des Wortes) fühle ich mich definitiv. Naja, drauf geschissen! Nice (fore) play on words… STOP IT, ALREADY!!! o_O

Jetzt habe ich dazu ja doch mehr geschrieben, als geplant. Ich schieb’s auf den mittlerweile dritten Cuba Libre. :)
Das andere Compartment ist der cuddlige Cat-Content!
Natürlicherweise sehe ich eine stattliche Menge an cat content, da ich mich im Internet bewege, denn ‘The internet is made of cats’! Ich will jetzt niemandem zu nahe treten, der eine andere Meinung vertritt, weil ich – im Vergleich – auch nicht viele andere Tiervideos zum Beispiel von Hunden oder Bären anschaue (Ich hasse Hunde, Bären, Kühe, Hasen und bestimmt noch eine Reihe anderer Tiere, die mir jetzt nicht einfallen – DEAL WITH IT!**)… Und natürlich spielt auch meine eigene Erfahrung mit Katzen, die nahezu zwei Drittel meines Lebens ausmacht, eine große Rolle… Also: Ich behaupte jetzt einfach mal kackfrech, dass Katzen die Tiere sind, die am selbstbewusstesten und unaufgeregtesten körperliche Nähe suchen, als wäre es das ‘Normalste von der Welt’ – vermutlich, weil es das auch ist oder zumindest sein sollte! Man schaue sich nur all die mannigfaltigen Videos von Katzen an, die mit anderen Katzen kuscheln, mit Menschen, mit Hunden, mit Enten, mit Echsen, mit Nagern, mit eigentlich allem, was sich an- und abkuscheln lässt! (Yes, this is biased as shit! DEAL WITH IT, AGAIN!) Dafür bewundere ich diese kleinen, furchtlosen Liebhaber! Ich würde mir am liebsten eine gigantische Scheibe davon abschneiden und mich furchtlos auch einfach bei anderen Menschen auf den Schoß legen und mich kraulen lassen. Oder mich zumindest freudvoll in ein geöffnetes Paar Arme werfen und da einfach mal eine Weile verweilen. Und allein dafür muss man meiner Meinung nach Katzen einfach vergöttern, weil sie uns eine absolut wichtige, doch so simple Lektion im Leben immer wieder lehren, dessen niemals müde werden und zum Verrecken nicht daran denken, jemals damit aufzuhören! Haben wir nicht schon damals im SoWi-Unterricht bei Frau P. gelernt, dass ‘Kleinkinder ohne Wartung nicht überleben’?

Was schließe ich also daraus, außer dass ich dringend wieder eine Katze in meinem Leben brauche? Dass ich noch mehr von mir aus Körperkontakt suchen muss, damit es mit der Zeit etwas ‘Normales’ wird, das einfach so im Gespräch und im Zusammensein mit anderen Menschen passiert und weder etwas aufgesextes ist, noch etwas über das ich mich insgeheim stundenlang freuen muss! Falls ihr mich jemals im Real Life treffen solltet und die Chemie stimmt, dann poked mich mal, um die Reaktion zu testen! :3

Gute Nacht, ihr cute and cuddly kittehsnugglers! <3

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* Oder sagen wir eher, wie das andere Geschlecht es mir unbewusst weismachen will. Aus welchen Gründen? Wirklich? Wirklich die ollen Pauschal-Kamellen? Eigentlich ja nicht, ne? Okay, also man sagt ja immer: Frauen wollen keine lieben Typen haben, sondern nur Arschlöcher. Genauso kann man aber sagen, dass Männer auch nie zufrieden sind: Entweder sind ihnen die Frauen zu weiblich und klammernd und launisch und lassen den Mann ja nicht sein eigenes Ding machen. Wenn sie dann aber an eine geraten, die weiß, was sie will, die selbstständig ist und niemanden braucht oder es zumindest nicht zeigt und dem Typen nicht ständig am Arsch klebt, die niemanden benötigt, der sie beschützt oder seine Jacke in eine Pfütze wirft, damit sie trockenen Fußes hinüber wandeln kann... dann ist es auch wieder nicht gut. Dann wird schon mal auf 'Teufel komm' raus' und Brechen und Biegen versucht, das Selbstbewusstsein der Frau zu erschüttern. Von intellektuellen Schlachten mal ganz zu schweigen - entweder ist die Frau zu schlau, das kann nicht mit dem männlichen Stolz vereinbart werden. Oder sie ist zu dumm; dann wird sie nicht mehr ernst genommen, veralbert und - das ist was Neues - der Mann verliert das Interesse an einer dummen Frau! Schlussendlich soll die Frau natürlich eine heiße, erfahrene Wildkatze im Bett sein und allen möglichen Scheiß ohne zu fragen mitmachen und gut darin sein - aber am besten dabei noch Jungfrau! Frau, die mit (vielen) verschiedenen Männern schläft oder gar schon mehr Geschlechtspartner hatte, als der Mann selbst geht ja gar nicht, wie eklig!

So viel zur heutigen Verallgemeinerung! Nichts wert, fühlt sich aber manchmal so an.

** Bevor jemand rumheult: Ich würde niemals willentlich einem Tier Schaden zufügen, auch wenn der ein oder andere Vegetarier/Veganer mir da vielleicht widersprechen möchte – und ich hasse diese Tiere auch nicht unbedingt; das ist ein starkes Wort… mit der Ausnahme von Hunden… Die hasse ich wirklich und deswegen ignoriere ich sie so gut es geht, wenn sie nicht zufällig im Nachbarbüro den ganzen Tag bellen, stinken und Schmutz machen! Die anderen sind mir einfach nur total egal bzw. irgendwie finde ich die scheiße… langweilig… unbedeutend… unnütz… Nager finde ich auch ganz furchtbar. Und nun lasst uns fein flamen, haten und shitstormen, ihr Leute, die ihr zufällig durch eine unglückliche keyword-combo in Google hierher gefunden habt! :3

BTW: Listen to C418′s track ‘Welcome Back to the Machine’ and enjoy it! Especially the way it changes at around 3:36 – lovely drums and bass creating an awesome ending! I love the slight change in the melody! What a great artist!

Word count: 2354

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The Beast that Shouted 愛 at the Heart of the World

Freitag Jul 8, 2011

Flowers grieve and fall

Ich habe eine Idee. Ich nenne es “Geschäftsidee”, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass rechtliche Bestimmungen aus dieser Idee niemals ein “Geschäft” werden ließen. Ich habe mich zwar noch nicht informiert, aber so wie ich diese Gesellschaft und ihre stumpfsinnigen Regeln einschätze, bin ich mir wirklich sehr, sehr sicher.

In dieser Lokalität gäbe es ausreichend viele Räume und ich kann mir vorstellen, dass mit der Zeit immer mehr Räume dazugemietet werden müssten. Die Räume wären völlig schalldicht und weich ausgekleidet – etwa so wie eine Gummizelle. Wie auch immer eine Gummizelle von innen aussieht. Ich weiß das ja nicht… *hrhr* Zumindest darf man sich selbst nicht allzu weh tun können. Vielleicht nur ein wenig. In dem Raum könnten Leute laut schreien. Und wenn man sicher sein könnte, dass sie sich nichts antun, könnten sie dort auch Dinge kaputtmachen, mit großen Plastikkeulen auf Fotos einschlagen und Kissen in Tausende Fetzen zerreißen und die Federn böse angrunzen. Ich glaube, viele Leute hätten das Bedürfnis mal laut zu schreien.

Ich habe das Bedürfnis, laut zu schreien.

Es ist schon bestimmt acht bis zehn Jahre her, vermutlich sogar länger, dass ich das einzige Mal so laut geschrien habe, wie ich konnte. Ich habe niemanden angeschrien und es waren auch keine Worte – ich habe nur versucht meiner Brust so lange und so laut wie möglich einen “Ton” zu entringen. Musikalisch oder tonal konnte man das allerdings gar nicht nennen. Es war auch kein Ton. Es war ein Gefühl. Es war Schmerz, Verzweiflung. Ein berstender innerer Käfig. Ich saß an der Niers, in einer Wiese in der Nähe vom Gocher Stadtpark, verborgen vom hohen Gras. Der Vollmond war nicht von Wolken verborgen und tauchte die Umgebung in ein sehr seltsames Zwielicht. Ich glaube, es war im Sommer und so gegen vier Uhr morgens, wenn in Goch jeder im Halbkoma liegt und vermutlich kam ich gerade von einer Party, die mal wieder nicht so gelaufen war, wie ich es wollte. Oder ich bin vor meiner betrunkenen Mutter geflüchtet – auch keine Seltenheit. Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass ich – wie so oft – mein Glück herausforderte, indem ich mitten in der Nacht allein durch einen nicht beleuchteten Stadtpark an einem Fluss entlanglief bis ich zu dieser Wiese gelangte. Immer will ich mir selbst beweisen, dass ich es auch alleine schaffe – weil sonst keiner für mich da ist. Keiner, der diese Last von mir nehmen kann, zumindest. Oder vielleicht lege ich es darauf an, dass ein anderer für mich mein Leiden beendet. In meinem Leben begleitet mich allerdings ständig das Glück, will man es so nennen – so scheint es, weil mir bis jetzt nichts passiert ist.

Als ich in dieser Wiese saß und all meinen Frust aus mir herausschrie, war alles um mich herum unglaublich still. Sobald ich keine Luft mehr zum Schreien hatte, hörte ich nicht das leiseste Geräusch in der Umgebung. Vielleicht waren meine Ohren von meinem eigenen Geschrei betäubt – vielleicht hielt die Welt aber auch nur den Atem an, weil es da jemanden gab, der scheinbar so sehr leidet, dass sich sein Schrei so unmenschlich unweltlich anhört. Das war ein ganz komisches wütend-stilles Gefühl in diesem seltsamen Licht und dieser zerquetschenden Stille. Zerquetschend, da sobald mein eigener Schrei erstarb, der mich in dessen Andauern noch von allem befreite, die Stille wieder auf mich einschlug, wie ein Gummiband, das jemand zu weit gedehnt hatte – nur von allen Seiten. Ein unerbittlicher äußerer Käfig. Ich will die Stille öfter wegbrüllen. Und auch den Krach der Welt.

Ich weiß bis heute nicht, ob das jemand mitbekommen hat, da ich eigentlich weit genug vom nächsten Wohngebiet entfernt gewesen sein müsste, aber bei der Intensität meiner Stimme in Verbindung mit der Stille – wer weiß, wie weit meine Leiden in die Nacht gedrungen sind und in die Träume der Ahnungslosen hineingetragen wurden? Wo kann man heutzutage so laut schreien, dass es niemanden beunruhigt? Wenn es nun dieses Geschäft gäbe, dieses ‘Brüllhotel’ ich wäre definitiv einer der ersten und vermutlich einer der Stammkunden. Keiner wäre in meiner Danger Zone. Aber sobald sich der erste Anonyme Leidende in einer solchen unbeobachteten Kammer die Pulsadern aufschnitte, hätte es mit dem Geschrei ein Ende. Verantwortung.

Daher wird wohl auch aus dieser hervorragenden Geschäftsidee nichts. (Und ja: Ich weiß, dass man im Auto schreien kann, nach Herzenslust. Aber ich habe kein Auto und vermutlich wäre es auch nicht das Gleiche.)

BTW: The titles are now music. I’m on a horse. Happy Boobies Day! (. )( .)

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The mittens in the leaves

Donnerstag Jul 7, 2011

Du bist ein Rubrik’s Cube. Ich vergesse, wie du funktionierst.

Ich mache mir seit ein, zwei Monaten Gedanken darüber, wie eigentlich mein ‘Liebesleben’ in Zukunft aussehen soll. Was davon (für mich) tatsächlich umsetzbar ist. Was davon erfüllbare Wünsche sind, was davon nur Träume, die für immer süße Träume bleiben. Was kann ich sagen? Ein Großteil dessen, was ich mir schon seit vielen Jahren, vielleicht schon seit meiner Kindheit wünsche, wird mir vermutlich nicht möglich sein und ich will das gar nicht wirklich darauf schieben, dass ich das nie gekannt, erlebt oder gelernt habe. Eventuell gehöre ich auch ‘einfach’ zu der Art Mensch, die von der Evolution so gemacht wurde. Ich habe letztens etwas extrem Interessantes gehört und zwar war das sinngemäß etwa so, dass der Mensch von der Natur her gar nicht auf längere oder lebenslange Beziehungen programmiert ist und dass wohl genetisch eher vorgesehen ist, dass man sich nach einigen (so vier, fünf) Jahren, wenn der Nachwuchs kraftvoll und fit genug ist, mit der ‘Herde’ mitzulaufen, nach einem neuen Partner umschaut. Vermutlich damit man überall seine schäbigen Gene verstreuen kann. Daher verschwindet auch nach einer Zeit das schöne Gefühl des Frisch-Verliebt-Seins und nach kürzerer oder längerer Zeit schlägt einem der Alltag mit voller Wucht oder eher gesagt überhaupt nicht in die Fresse. Es passiert ja nichts mehr.

Ich hatte zwar Bio-Leistung und ich hatte da auch meine beste Abi-Note (… was leider rein gar nichts zu bedeuten hat…), aber ich habe keine Ahnung, ob diese These jetzt der größte Müll ist oder nicht und ich habe auch keine Lust es zu recherchieren. Vermutlich, weil mir der Gedanke so extrem gut gefällt und er für mich auch einleuchtend genug ist um ihn einfach als Möglichkeit anzunehmen, sehr, sehr, sehr frei nach Hobbes’ Idee vom Naturzustand. Hahaha. (Ich weiß, das hat nichts miteinander zu tun – ich wollte es trotzdem ungefragt in den Raum werfen! trollface.jpg)

Und was mache ich jetzt daraus? Die Einsicht, dass ich vermutlich niemals heiraten werde und zumindest meine Idealvorstellung von einer ‘intakten’ Familie über Bord werfen muss. Dann wiederum muss ich meine sogenannten Idealvorstellungen sowieso einmal dringend einer eingehenden Revision unterziehen. Was ist heute eine ideale Familie oder die ideale Art und Weise, Kinder großzuziehen? Es ist nichts Neues, dass nur weil Mutter und Vater vorhanden sind und auch unter einem Dach leben, das Konzept ‘Familie’ nicht immer so gelebt wird, wie ich es in meinem perfektionsbedrängten Hirn gerne hätte. Warum habe ich mich lange Zeit so sehr gegen den Gedanken gesträubt, dass auch eine ‘Familie’ mit nur einem Elternteil glücklich sein kann? Nur, weil ich persönlich kennengelernt habe, dass es nicht so sein kann? Wie viele Ursprungsfamilien lernt man schon in seinem Leben kennen? Und warum setze ich das Wort Familie in Anführungsstriche, wenn ich von einer Familiensituation mit nur einem Erwachsenen schreibe? Vorweggenommen und vorverurteilt, dass es sich bei diesem Konstrukt ja gar nicht um eine echte Familie handeln kann. Fail.

Innerhalb der letzten beiden Monate ist mir der Gedanke, dass ich vielleicht irgendwann auch alleine zwei Kinder großziehen könnte und dazu nicht unbedingt einen Mann an meiner Seite brauche (und dass ich generell für nichts einen Mann an meiner Seite brauche) wieder viel erträglicher, oder sagen wir sogar lieber ‘schmackhafter’ geworden. Es ist schön, wenn da jemand ist, auch gern für länger wenn es passt, aber ich muss unbedingt darauf achten, dass ich mehr auf meine Bedürfnisse höre und aufhöre, für alles eine Sicherheitsgarantie oder zu weit vorausplanen zu wollen. Auch dass ich mich nicht zu Kompromissen hinreißen lasse, die mir schaden oder die mich in meiner (illusorischen) Freiheit begrenzen. Und zu meinem Freiheitsgedanken gehört, dass ich mich nicht für den Rest meines Lebens an eine einzige Person binden kann. Zumindest nicht aus rationalen Erwägungen heraus, wie es teilweise zuletzt geschehen ist. Sollte ich tatsächlich einmal dem richtigen Mann begegnen, dann müsste man das natürlich noch mal hinterfragen. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur polyamorös veranlagt? Wer weiß… Zumindest bekomme ich bei vielen Endgültigkeitskonstrukten oder -gedanken regelmäßig einen ordentlichen Schreck – wie zum Beispiel einer Heirat ’till death do us part’. Sonst würde ich ja auch sicher nicht so oft nachts im Bett liegen und Angst vor dem Tod haben. (In Form eines auf meine Wohnung abstürzenden Flugzeugs, eines Häuserzusammenbruchs à la Kölner Stadtarchiv, einer Gasexplosion, eines Snipers vor meinem Fenster (WTF?), eines Schlaganfalls oder Axtmörders oder was weiß ich. Auf jeden Fall mal eben eine panne und unvollständige Aufzählung am Rande.)

Damit will ich jetzt nicht die Institution ‘Ehe’ gleichstellen mit dem Tode. Auf keinen Fall! Ich freue mich von Herzen für alle verlobten und verheirateten Paare, genauso wie für diese, die schon seit wenigen oder vielen Jahren zusammen sind, wo es verfickt noch mal einfach nur klappt, die ich so kennengelernt habe oder wo ich hautnah beim Entstehungsprozess dabei war und die ich mir als single unit überhaupt gar nicht (mehr) vorstellen kann. Ich wäre am Boden zerstört, wenn ich bei dem ein oder anderen Pärchen vom Aus der Beziehung hören würde! Aber ich musste jetzt – mal wieder über den harten Weg und auch nicht so schön für den anderen Part bei der ganzen Sache – herausfinden, dass ich absolut nicht das bin oder sein oder tun kann, was ich mir immer so sehr gewünscht oder eingebildet habe. Oder was ich tun wollte, weil es vielleicht gesellschaftlich anerkannt(er) ist, weil ich ja so eine confirmation/legitimation whore bin.

Das bedeutet keineswegs, dass ich es jetzt gutheiße, seinem Partner fremdzugehen. Bevor es soweit kommt, beendet man die Beziehung und legt die Karten offen auf den Tisch. Oder man sucht sich direkt von Beginn an einen Partner, der ähnlich eingestellt ist. Für den die Partnerschaft vielleicht etwas anderes bedeutet als Besitzansprüche durchzudrücken oder das eigene Ego zu bestätigen. Uff, das hört sich hart an, aber vor kurzem habe ich mich irgendwie wie ein Ding gefühlt, wie eine Trophäe, daher vielleicht der bittere Ton.

naughty memes - Sounds Good to Me

Ehrlichkeit und Vertrauen sind für mich immer noch oberste Prioritäten. Aber ich müsste einen Partner finden der meine Ansichten von Freiheit teilt und der genauso sein eigenes Ding machen möchte, wie ich auch. Dennoch müsste man sich in einem angemessenen Rahmen aufeinander verlassen und vertrauen können. Es ist nur meine eigene bescheidene Meinung, aber ich gehe davon aus, dass Treue kein funktionierendes Konzept ist. Ich habe es ja oben schon angerissen und auch selbst schon viele Beobachtungen und eigene Erfahrungen machen können, aber ich glaube, dass solche Dinge wie Seitensprünge und Affären einfach passieren und kein noch so aufrichtiger Treueschwur kann daran etwas ändern. Die Zeit ist ein viel mächtigerer Gegner und der Körper und seine biologischen Prozesse dienen ihr ergeben. Am Ende reduziere ich das Bedürfnis einen treuen – d. h. meinem Körper treuen – Partner zu haben, auf das evolutionstechnische Bedürfnis, in der Rangliste nicht abzusteigen oder zu weit unten vor sich hinzukrepeln. Ich meine, warum tut es so weh, betrogen zu werden oder gegen einen Konkurrenten im Liebesdreieck zu verlieren? Weil man evolutionär betrachtet, daran gehindert wurde sich fortzupflanzen und einem ‘stärkeren’ Gegner unterlegen ist, der Verstand das aber so nicht einordnen kann oder will, weil der moderne Mensch sich weigert, in solch barbarischen ‘survival of the fittest’-Kategorien zu denken. Der Mensch ist ja aufgeklärt und zivilisiert. Ja, ja… Seine Hormone aber zum Beispiel nicht. Naja, das ist nur meine eigene nicht zu verifizierende Sichtweise. Und natürlich ist das sehr reduziert ausgedrückt.

Es fällt mir einfach leichter diese unglaublich unlogische, verrückte und wölfische (‘homo homini lupus est’) Welt zu ertragen, wenn ich mir eben genau dieses vor Augen halte: Wir sind immer noch alle nur Tiere! Egal, was wir uns sonst so einbilden. Solange Frauen noch jeden Monat bluten und Männer noch Samen verspritzen, solange wir alle noch pissen und scheißen müssen, und fressen und atmen und schlafen und ficken, solange halte ich uns für Tiere.

Mit Ausnahme der Kunst. Kunst ist großartig. Und Tiere haben wenig Kunst, soweit ich weiß.

Ich bin ein Spieler. Ein Jäger. Ein Eroberer. Und gleichzeitig will ich erobert werden, von einem anderen Spieler auf dem Schachbrett. Ich will gefordert werden und mich erproben können und es scheint mir einen Kick zu geben, im Unklaren gelassen zu werden, denn dann muss ich andere Strategien anwenden. Vielleicht gehört im Leben doch erheblich mehr Taktiererei dazu, als mir lieb sein kann, denn ich bin ein schlechter Taktierer und meine ‘kriminelle Energie’ tendiert gegen Null. Mit krimineller Energie meine ich etwa, die Einstellung sich an vergebene Männer/Frauen ranzumachen oder dem Partner absichtlich wehzutun, wenn das nicht nötig wäre. Aber wie kann man ermessen, was nötig ist und was nicht, wenn man sich selbst viel zu oft als das Opfer (seiner eigenen Gefühle und Hormone) sieht? Denn oft ist es auch so: Wenn ich mein Ziel schlussendlich erreicht und meinen ‘claim’ abgesteckt habe, verliere ich leicht das Interesse am ‘Objekt’. Wenn ich merke, dass mein Gegenpart sich zu sehr bemüht mir zu gefallen oder mich zu erobern oder mir das Gefühl gibt, dass ich ein Objekt sei, das man durch bloße Manipuliererei beeinflussen kann, verschließe ich mich oder werde nach einiger Zeit aggressiv. Es muss so unglaublich subtil und feinst taxiert sein, dass ich selbst es nicht checke. Es muss ein stetiges Hin und Her sein, bis einem der Kopf und die Brust platzt und man am liebsten schreien möchte: ‘JA, VERDAMMT NOCH MAL, GIB MIR MEHR DAVON!!!’ während man mit seiner Faust den Boden vor sich spaltet. Ja, ja… Frauen und ihre Hormone. ;)

Was ich mir eigentlich selber nur mit diesem Artikel so gut es geht einreden will, ist dass es nicht so schlimm ist, wenn ich nicht das erreiche, was ich bei meinen Freunden schön finde und ich kein Versager bin, wenn ich nicht heirate oder mich für immer fest binde und vielleicht irgendwann mal eine alleinerziehende Mutter sein sollte! Und in drei offenen Beziehungen lebe, die so spannend sind, dass meine Gesichtshaut fast reißt, beim bloßen Gedanken daran! ;)

Anbei noch mal ein ‘hilfreiches Lehrvideo’ – das sollte ich eingehend studieren, um ein Meister im Erobern werden zu können! ;) LOL. Not. Or just partly… ;)

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