A Pleasant Lie, That 2.0 |

Reverse The Waterfall

Never-ending Time is Never Right (On Time)

I say 'Farewell' to say 'I love you'!

Montag Sep 19, 2011

never-ending time... will be mine... at last...

Ein stiller Kommunikationslegastheniker zu sein, wenn man eigentlich viel zu sagen hätte, kann einem beizeiten das Herz sehr schwer machen. Wenn der Kopf nie Pause macht und die Stimmen darin sprudeln, aber sich keines dieser Wort- und Gedankengebilde jemals durch den Mund ergießt, dann macht das das Herz schwer. Und der Kopf muss Gegenmaßnahmen ergreifen und schickt in all die Materie die Anti-Materie. Am Ende regiert das Nichts. Deswegen kommt über die Lippen kein Ton, während im Kopf bunte und schwarze Seifenblasen sprudeln, die sich bei Berührung gegenseitig zum Zerplatzen bringen. Nichts. Im. Kreis.

Da wird aus einem interessant zu werden versprechenden Gespräch eine Aneinanderreihung von ‘Guten Abend!’ und ‘Gute Nacht!’ während sich im Kopf ganze Comedyshows ineinander verschlingen und schlussendlich selbst verzehren. Find Friends Fail.

Und an anderer Stelle ist man dann verliebt und die Worte bahnen sich keinen Weg aus der Brust, denn da ist eine Barriere an der Kehle – die Stimmbänder verlangen Wegezoll. Sie erinnern sich an den zerquetschenden Schmerz, den die zurückgehaltenen Tränen beim letzten Mal verursacht haben und sie lassen keins der Worte vorbeiziehen an den Mauern, die immer noch halb in Trümmern liegen, im nasskalten Wetter der Hochlande. (Wenn der menschliche Körper ein Abbild der Erde wäre, wären Genitalien dann eine Wüste?)

Dann mag man einen Brief schreiben, wenn man schon nicht sprechen kann und der Therapeut sagt: ‘Wenn sie keine Hoffnung mehr hegen – einen Abschiedsbrief. Keine Fragen. Nur zehn Sätze.’ Die zehn Sätze sind ein Hohn und natürlich wurden sie weit überschritten. Der Abschiedsbrief kreischt unhörbar laut ‘Ich liebe dich, verfickte Scheiße, was ist daran so schwer zu verstehen?’ zwischen den Zeilen und sagt am Ende nüchtern und schüchtern ‘Auf Wiedersehen!’ auch wenn es kein Wiedersehen geben soll – sagt der Kopf. Das Herz trollt und tollt und rickrollt.

Wenigstens keine Fragen stellen – das wird man doch hinbekommen. Und dann kommt die Gelegenheit zu glänzen – mein Herz schlägt zum Bersten – indem man keine Fragen stellt – mein Herz schlägt zum Bersten – sondern anbietet Antworten zu liefern. Mein Herz schlägt zum Bersten. Die Fragen werden aber nicht gestellt – it stops – und die eigenen brennen unter den Nägeln. Kopfkino startet wieder fröhliches Bubble Bath – nicht nur für die ungeborenen Fragen – auch für die ungegebenen Antworten, allerorten.

Never-ending Time is Never… Right on Time…
With my Heart’s desperate Rhymes
With my Loving’s mournful Chimes
Never will ‘t be mine…

Never-ending Time, be mine!

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The Legend of the Red Oven Graffiti

Ich hatte vorhin einen viel besseren Titel, aber den habe ich natürlich wieder vergessen...

Donnerstag Sep 15, 2011

Entrance to the Aetherworld

Als ich vorhin nach Hause kam und eine Plastiktüte auf den Herd legte, stellte ich fest, dass ich diesen knappe 24 Stunden lang angelassen hatte. Zwar nur auf der kleinsten Stufe, aber immerhin. Als ich vor ein paar Monaten eine stationäre Therapie gemacht hatte, gab es da auch eine Frau, die ständig (mindestens dreimal, vermutlich öfter) den Herd nicht ausgestellt hatte. Die war allerdings schon 50 Jahre alt und generell ziemlich hyper. Nicht, dass man mit 50 automatisch grenzdebil oder alterssenil wird, aber ich bin erst 30 und ich fand das jetzt auch nicht so ersprießlich. Er erinnert mich auch – wie sollte es anders sein – mal wieder an meine Mutter, die so oft mit brennenden Zigaretten oder auch mal mit kochenden Nudeln auf dem Herd eingeschlafen ist und uns damit so oft in Gefahr gebracht hat.

Warum mich das so sorgt?

Am Wochenende hatte ich einen kleinen oder sagen wir lieber: großen Rück- und Ausfall. Nachdem ich die letzten Wochen so gut wie jeden Tag Alkohol getrunken hatte – und meistens kein Bier, sondern Rum oder Ähnliches – und schon überhaupt keine Wirkung mehr verspürte, habe ich dieses Wochenende – am Sonntag, um genau zu sein – extremst über die Stränge geschlagen und alleine 1,5 Liter Mexicana vernichtet. Das ist eigentlich ein Getränk für ‘shots’ und bei der Rezeptur, die ich verwendet habe bedeutet das, dass fast die gesamte 0,7 Liter-Flasche Wodka ihren Weg in meinen Magen und schlussendlich in meinen hässlichen Kopp gefunden hat.

An manche Sachen erinnere mich – zum Beispiel, dass ich zwei liebe Freundinnen sehr spät abends angerufen habe, aber nicht mehr, was ich gesagt habe. Ich erinnere mich daran dass ich, nachdem ich den Mexicana komplett vernichtet und sonst keinen Alkohol mehr im Haus hatte, zum Kiosk gegangen bin, um mir da noch zwei Flaschen Desperados zu kaufen, die ich auch sofort trank, sowie eine Schachtel Zigaretten – und dann auch noch die starken Gauloises und eine nach der anderen rauchte. Gegessen hatte ich an dem Tag zwei Nutella-Brote.

Dann war ich auf einem extrem coolen Spielplatz, der nur zweihundert Meter von meiner Wohnung entfernt ist und auf dem man nachts so genial und leger rumknutschen könnte… Da gibt es so ein romantisches Hochstandhäuschen, eine Hängematte aus roten Kletterseilen und so eine gekippte, runde Platte, die sich sofort dreht, sobald man hinaufsteigt, neben dem anderen Kram wie Wippen, Schaukeln und Rutschen… Der Hit für laue Sommernächte! Auf der Platte habe ich dann eine halbe Stunde oder so rumgelegen und mich mit dem Kopf nach unten hin und her drehen lassen und dabei in das rauschende Blattwerk über meinem Kopf geschaut, dass sich dunkel vom seltsam zwielichten Himmel abhob. Dass ich dabei nicht gekotzt habe, wundert mich enorm.

Honey, let's make out in this all night long...

Zuhause stellte ich allerlei Scheiß an und bestellte erneut eine Bahnfahrkarte in den Pott, ohne mich um Übernachtungsmöglichkeiten zu kümmern und ohne meine neue Probe-Bahncard anzugeben, die ich extra für solche Anlässe angeschafft hatte. Wie sinnvoll. Und das alles, obwohl ich schon extrem fett im Dispo bin und mir das eigentlich nicht leisten kann. Dann habe ich wie von Sinnen auf meinen Drucker eingeprügelt, weil das Lichtchen nach dem Drucken nicht ausging und immer flackerte und ich nicht raffte, wieso. Hätte ihn fast zerstört. Vielleicht ist er das auch – nachdem er gestern erstmal minutenlang gar nicht mehr anging, habe ich noch keinen Testdruck gemacht. Dann habe ich auf meinem MacBook zwei Filme geguckt – Sucker Punch und The Fisher King – und auf dem Mac habe ich auch voll furios rumgehauen, weil ich dachte, dass er die Sprache nicht auf Englisch umgestellt hat. -_-’

Bestialische Aggressivität. Ich kann jetzt nachvollziehen, wie alkoholisierte Menschen zu U-Bahn-Schlägern werden.

Ich weiß nicht, warum ich dann auf solche bescheuerten Ideen komme – also, ich weiß es schon: Ich bin besoffen und nicht mehr zurechnungsfähig. Aber warum bin ich so auto-destruktiv bzw. auch völlig von Sinnen destruktiv mit Dingen, die mir wichtig sind und die ich dringend benötige und die ich nicht (so schnell, zumindest nicht momentan) ersetzen kann, wenn sie zerstört werden? Es ist ja nicht so, als hätte ich die Lektion, dass Alkohol schlecht für mich und meine Umgebung ist, sehr schlecht, erst an diesem Wochenende gelernt. Ich habe sie sogar schon sehr oft gelernt, nicht nur an mir selbst, sondern natürlich auch schon seit frühester Kindheit und eigentlich hätten sich die abschreckendsten Beispiele so tief in mein Hirn und mein Fleisch einbrennen sollen, dass ich allein beim Gedanken an Alkohol schon einen unüberwindbaren Kotzreiz verspüren müsste. Ich weiß noch, wie ich meine ersten drei Biere getrunken hatte mit 14 Jahren – um einen Jungen zu beeindrucken, der dann auch später an diesem Abend tatsächlich mein erster Freund wurde… weiß jetzt nicht, ob wegen des beeindruckenden Alkoholstunts – und dann die ganze spätere Nacht gekotzt habe. Von drei Bieren. Da mache ich heute so zwei kurze, durch die Nase geatmete Lacher, während meine Lippen wenig lächeln.

Ich weiß nicht, wie viel ich selbst in meinen Leben schon durch Alkohol zerstört habe – aber es war sehr viel. Zu viel. Allein, wenn ich darüber nachdenke, mit wem ich schon ‘Verträge’ und Abmachungen darüber hatte, einen bestimmten Zeitraum keinen Alkohol mehr zu trinken. Und natürlich habe ich es nie geschafft, die Regelungen einzuhalten. Und ich weiß auch, dass ich es nicht schaffen werde, in meinem Leben keinen einzigen Tropfen Alkohol mehr anzurühren – es wäre eine Lüge und Illusion und ein Versprechen, dass ich nie niemandem gegenüber halten könnte. Auch mir gegenüber nicht. Ich habe keinen starken Willen – manchmal frage ich mich, ob ich überhaupt einen Willen habe. Das einzige, was man so bezeichnen könnte, ist mein unglaublicher Drang, mich niemandem gegenüber zu beugen. Noch nicht mal vor mir selbst kann ich einen kleinen Knickser machen.

Was mache ich jetzt daraus? Ich habe keine (neue) Erkenntnis gewonnen. Ich kann mir selbst gegenüber keinen Abschwur leisten. Aber weitermachen, wie bisher kann ich auch nicht. Nun werde ich so lange es geht keinen Alkohol trinken, vor allem nicht alleine zuhause. Ich werde mir keine Sanktionen auferlegen, auch keine Belohnungen versprechen, weil ich mir die sowieso ständig ohne Anlass gönne.

Einfach, so lange es geht, machen.

Und dann noch ein bisschen länger.

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Wide Awake, Wide Asleep

Mittwoch Feb 9, 2011

Annähernd genau drei Jahre war ich allein. Habe niemanden an mich rangelassen. Habe die wenigen Leute, die ich liebe und die vielleicht auch etwas für mich übrig hatten auch noch von mir fortgetrieben, weil ich so kolossal von einigen wenigen enttäuscht war. Die Zeit war die Hölle. Am Anfang notwendig – Zeit zum Heilen, Zeit zum Regenerieren. Am Ende ein Loch, aus dem ich mich nur schwerlich befreien konnte. Kann. Ich bin immer noch drin. Man nimmt sich immer mit, egal wie weit man reist. Oder flieht. Es ist hart wieder Menschen in sein Leben und sein Herz zu lassen, wenn man in so vielen Momenten der festen Überzeugung ist, dass man zu der Art von Menschen gehört, die lieber allein bleiben sollten, weil sie einfach nicht sozial sind und es auch nie lernen werden, egal wie sehr man es will, egal wie sehr man es versucht.

Aber gerade jetzt ist mal wieder die Zeit zu lernen und mal wieder mit sich aufzuräumen. Es hört nie auf. Man erklimmt die steilen Tempelstufen, die nur fünf Zentimeter Trittfläche für die profillosen Sneakers bieten und ab und zu rutscht man daher wieder zehn bis fünfzig Stufen runter, schlägt sich die Knie auf und kann mit den Händen nur gerade eben noch so verhindern, dass man sich auch noch die Zähne ausschlägt. Der Tempel selbst ist noch nicht mal in Sicht, wohl aber der Boden auf den es sich zurückrutschen ließe. Und trotzdem: Ich lerne und verändere mich. Langsam und mit vielen Rückschlägen, Rückfällen. Und gegen den eigenen Stolz zu kämpfen gehört für mich zu den herausforderndsten und härtesten Disziplinen. Kann man diese pervertierte Form von Stolz eigentlich noch so nennen? Ich bin ja weder stolz auf meine Leistungen noch auf meine Eigenschaften. Bin ich in Wahrheit nur überheblich, hochmütig, arrogant und anmaßend?

Mal was konkretes: Es fällt mir schwer für meine neue Beziehung zu kämpfen – allein schon wegen der unglaublichen Enttäuschung, die ich erlebt habe, als ich das letzte Mal um einen Mann und eine Beziehung gekämpft habe. Und es fällt mir schwer den Gedanken zu überwinden, dass Alleinsein das kleinere Übel im Leben sei – denn da kann man immerhin nicht enttäuscht werden und die Zahl der einzugehenden Kompromisse würde sich auch sehr gering halten. Es geht einfach nicht in meinen Kopf hinein, dass ich mein großes Ego mal hinter einem anderen Menschen zurückstellen sollte. Dass ich mich selbst in meiner Freiheit und Freiwilligkeit beschneiden sollte für etwas Größeres und Besseres, nämlich eine Gemeinsamkeit und eine Gemeinschaft.

In meinem Herzen und meinen Träumen bin ich so ein Gemeinschaftsmensch, weil ich auch immer an das Gute im Menschen glauben will und davon träume. Dann wiederum scheine ich ein solcher Scheißemagnet zu sein, dass ich vor lauter Kot in meinen Augen selten sehe, wenn Menschen gut sind. Und ich selbst bin auch kein wundersames Beispiel von Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme. Im Gegenteil. Und das gehört zu den Dingen, die mich am meisten stören. Ich bin so sehr mit mir selbst beschäftigt und damit vor der Realität zu fliehen, während ich die Zeit sinnvoller nutzen könnte, um einem Freund einen Kuchen zu backen oder eine schöne Postkarte zu schicken. Oder an meinem Buch weiterzuschreiben, das so viele lesen würden…

Und nun ist es soweit: Während ich diese Zeilen schreibe, werden einige Dinge klarer, weil ich (noch?) einen Menschen an meiner Seite habe, der es wie kein anderer bisher geschafft hat, mir einen Spiegel vorzuhalten. Nicht, dass andere es nie versucht hätten – wohl aber habe ich bisher immer tunlichst mein Gesicht abgewandt, weil ich meine eigene hässliche Fratze, die mir entgegenschielte nicht sehen und nicht wahrhaben wollte. Und es ist mir trollface-mäßig immer gelungen, davonzuhüpfen und die Dinge irgendwie so zu drehen, dass ich mich trotzdem im Recht oder als Opfer fühlen konnte. Wenn es so war, kann ich mich nicht erinnern, aber ich glaube ich habe bis heute noch nie etwas in meinem Leben über mich selbst gelesen, dem ich so niedergeschlagen und am Boden zerstört zustimmen musste, wie dieser heutigen Nachricht von meinem Freund. Warum es jetzt anders ist, wo viele andere liebe Menschen sich zuvor für mich die Zähne an mir ausgebissen haben, ist mir selbst unbegreiflich. Ich hoffe nur inständig, dass sich – auch mit der bald beginnenden Therapie – endlich etwas ändern wird. Dass ich endlich aufhöre, in allem einen Angriff auf mich zu erkennen und die Worte so derart in meinem Kopf durcheinanderzuwirbeln, dass ich selbst davon überzeugt bin, immer eine bestimmte Wahrheit in allem rauszuhören. “Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.” Das ist ein Satz, den ich mir selbst so oft sage, aber wenn ich das Gefühl habe ungerecht behandelt zu werden, dann blende ich alles aus und höre nur noch rote Tücher.

Ich hoffe inständig, ich kann das eines Tages überwinden. Noch mehr hoffe ich, dass ich den einzigen Menschen, der es eventuell schaffen könnte mich zur Vernunft zu animieren, nicht komplett verschreckt und zu viel Schaden angerichtet habe.

Das hört sich so egoistisch an – als wäre er ein Werkzeug. Aber dem ist nicht so. Ich empfinde aufrichtige Bewunderung. Sehnsucht und Liebe und Hoffnung. Das dringende Bedürfnis es besser und ihn glücklich zu machen, weil er es verdient hat. Und weil es sich richtig anfühlt, in den Momenten in denen ich ganz kurz bei klarem Verstand bin. Ganz egal, was ich mir sonst einbilde.

Es tut mir aufrichtig leid und ich hoffe, du kannst mir verzeihen!

Ich liebe dich, Carsten!

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Another Brick in the Window

Donnerstag Jan 13, 2011

Wer mich oder mein Blog noch aus früheren Zeiten kennt, weiß dass ich seltener blogge, je glücklicher ich bin. Und ich war in den letzten Wochen extrem glücklich – trotz des ein oder anderen Rückschlags – mütterlicherseits oder arbeitstechnisch beispielsweise.

Seit Anfang Dezember boten sich mir kontinuierlich mehr und mehr Perspektiven, obwohl ich schon wieder den beruflichen Resetknopf gedrückt hatte – diesmal in sehr viel kürzerer Zeit. Naja, wenn man mal wieder so einigermaßen am Anfang steht, ist das mit der Anzahl der Perspektiven auch nicht schwer. Doch wo ich mich vorher wie von einem wilden Flusslauf umher geschleudert fühlte, tat sich vor meinen Augen auf einmal der rote Faden auf, nach dem ich so lange gesucht hatte. Und das Beste war dieser Mann, der plötzlich neben mir auftauchte und auch einen roten Faden in der Hand hielt. Und so wie es aussah, gehörten diese beiden Fäden zu einem Strang. Und mir ist das Herz aufgegangen vor lauter Glückseligkeit und es wurde mit jedem Tag besser und intensiver. Nun bin ich nicht mehr sicher, ob die Fäden wirklich zu einem Strang gehören, oder ob sie nur zufällig für eine kleine Strecke miteinander verzwirbelt waren.

Der Begriff der Schuld ist ein zentraler in meinem Leben. Ich fühle mich schuldig, weil ich momentan krankgeschrieben bin und weil ich es einfach nicht schaffe, wieder in ein “normales” Leben zurückzufinden. Was immer das sein mag. Ich dachte, ich hätte es herausgefunden. Meine Träume und meine Ziele waren noch vor zwei Wochen so klar vor meinen Augen. Ich will raus aus der Buchhaltung, raus aus dem Agenturengewichse, raus aus diesem unmenschlichen Wirtschaftskreislauf. Und auf einmal schien es so leicht, endlich den Traum zu verfolgen, der schon seit Jahren immer irgendwo in einem Winkel hinter meinem Herzen schlief und manchmal pochte: Lehrerin zu werden. Etwas Sinnvolles, Menschliches zu tun, etwas von dem weiterzugeben, was ich selbst gelernt und erfahren habe. Meine Enttäuschung an der Menschheit selbst aktiv zu bekämpfen, indem ich Heranwachsenden durch meine eigenen kleinen Siege Mut und neue Blickwinkel aufzeige. Und ich wollte meine Studienzeit in meinem Blog hier einfangen – über all die kuriosen Dinge und Menschen berichten, die mir auf diesem Weg begegnen würden. Dann könnte ich ein wenig von der Selbstkonzentriertheit abweichen.

Und ich wollte Hausfrau und Mutter werden. Auch dies schon seit sehr langer Zeit. Nur fehlte dazu immer der wichtigste Teil: Ein Partner an meiner Seite. Und so mir-nichts-dir-nichts sah es so aus, als könne all das wahr werden. Natürlich machte ich mir Sorgen darum, ob man nach so kurzer Zeit schon an eine so feste Zukunft denken könne, aber bei keinem Mann zuvor konnte ich so viele Gemeinsamkeiten entdecken – vor allem, was genau diese Zukunftswünsche angeht. Und in diesem fortgeschrittenen Alter und mit den Erfahrungen, die ich bisher sammeln konnte dachte ich, dass man die Zweifler- und Drama-Stages getrost überspringen könne. Schluss mit dem devoten Depressionsscheiß – zumindest während der gemeinsam verbrachten Zeit. Und es war mir bisher so gut gelungen – ich war richtig stolz auf mich! So viele Begebenheiten, bei denen ich früher regelmäßig ausgerastet wäre oder nur den irrsinnigsten Scheiß reininterpretiert hätte und auf einmal war ich so gelassen! Währenddessen habe ich überhaupt nicht damit gerechnet, dass der zweifelnde Dramascheiß vielleicht auch mal aus der anderen Richtung kommen könnte. Und war deshalb völlig unvorbereitet, als eine unbedachte Aussage meinerseits dazu führte, dass ein ganzes Gebäude aus Stein, welches ich vertrauensvoll errichten wollte, zusammenfiel, nur weil mir unbeabsichtigt ein Ziegel durch ein Fenster fiel. Eine einzige Aussage, der man selbst vielleicht nicht die geringste Bedeutung beimisst, kann dazu führen dass deine komplette Person in Frage gestellt wird. Und auf einmal finden sich sehr viele Sachen an dir, die eigentlich überhaupt nicht so wünschenswert sind. Zum Beispiel meine virtuelle Offenheit – was genau das Dingen ist, wie und warum man mich überhaupt erst kennengelernt hat… Und wo du am Anfang noch dachtest: “Endlich… ENDLICH habe ich jemanden gefunden, der mich so nimmt – nein, besser – so liebt, wie ich bin!” da bist du dir am Ende des Tages komplett sicher, dass es einfach absolut nur an dir liegen kann, dass niemand bei dir bleibt, dass man dich eben doch nicht lieben kann. Und hier spannt sich der Bogen zu meinem Gefühl von Schuld, welches so omnipräsent in meinem Leben ist. Ich suche die Schuld (mal wieder) bei mir. Und ich weiß nicht, wie ich die Frage danach beantworten soll.

Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich mich bemühen und Kompromisse eingehen sollte. Nicht, weil ich einen anderen, einfacheren Mann will oder suche. Nein, weil ich der Überzeugung einfach nicht für Zweisamkeit gemacht zu sein, wieder sehr viel näher gerückt bin. Und weil sich an einen Kompromiss scheinbar nahtlos ein nächster, noch schwierigerer anreiht und so weiter. Nächste Woche soll ich nicht mehr über mich bloggen, nächsten Monat soll ich nicht mehr aus dem Haus, in einem Jahr trage ich eine Burka? Ich habe das Gefühl, dass ich die Scheiße in diesem Bereich einfach magisch anziehe. Oder sagen wir nicht, dass ich sie anziehe, sondern dass sich alles, was ich anfasse in meinen Händen zu Scheiße verwandelt. Und ich kann nichts dagegen tun. Ich weiß auch nicht, warum es so gottverdammt schwierig ist und ich habe mir die allererdenklichste Mühe gegeben, aber ich bekomme es einfach nicht hin, dass man gern mit mir zusammen ist oder bei mir bleiben will. Derweil plagt mich nicht nur der Schuldgedanke, sondern gleichzeitig auch mein eigener Stolz und mein Bedürfnis nach Freiheit. Ich habe das Gefühl oder vielleicht entspricht es sogar der Tatsache, dass ich zu viel von meinem einzigartigen Wesen aufgeben muss, nur um einem anderen Menschen seine unbegründeten Ängste zu nehmen, ihm das Leben angenehm und sorgenfrei zu gestalten und so gut es eben geht in die Vorstellung zu passen, die er sich von mir gemacht hat. Und ich weiß weder, ob ich dazu in der Lage bin, noch ob ich das überhaupt will. Wie gesagt, möchte ich geliebt werden, wie ich bin – nicht, wie man sich mich (fälschlicherweise?) vorgestellt hat.

Natürlich bin ich bereit Kompromisse einzugehen, vor allem was bestimmte Partitionen meines Lebens, wie etwa meine Berufung oder meinen Tagesablauf, angeht. Das sind Dinge, die ich an mir selbst ändern möchte. Was mir leider ohne Hilfe (momentan) nicht möglich ist. Oder: Was mir leider (ohne Hilfe) momentan nicht möglich ist. Denn vielleicht habe auch ich mir einige Aspekte des Zusammenlebens und der Hilfestellung, die man seinem Partner leisten kann und will bzw. von ihm erwarten kann, anders vorgestellt. Mittlerweile habe ich wesentlich mehr Verständnis für die Menschen, die eigentlich mehr (leisten) könnten, es aber einfach nicht machen. Eben, weil sie es ohne Hilfe leider nicht können. Ich weiß nun, wie sich das anfühlt und es hilft nicht, dass man von anderen dafür als faul, unfähig, schmarotzerisch, undankbar oder egoistisch bezeichnet oder direkt ganz fallengelassen wird. Schon gar nicht von seinen Nächsten. Man macht sich selbst die allergrößten Vorwürfe, weil man so viele Vorhaben, Wünsche und Ideen in die Tat umsetzen möchte, aber von der schieren Menge stündlich erschlagen wird und einfach keinen Anfangspunkt findet. Und wenn man ihn doch finden sollte, bei kleinsten Hindernissen oder Rückschlägen zu leicht aufgibt. Bei mir ist es nicht nur ein simples Neujahrsvorhaben, mich zu ändern und ein besserer Mensch zu werden. Es ist ein täglicher Kampf gegen meine eigentliche Natur und ich sehe nicht die Unterstützung und vor allem nicht das Resultat und den Lohn. Ein einfaches “Mach doch mal wieder…!” hilft einfach nicht. Es bedarf einfach eines Haufens Arbeit, stetig und unermüdlich hinterher zu sein, selbst dabeizubleiben und mit dem Zeigestock auf die Finger zu hauen, bis sich ein Rhythmus eingestellt hat, den der Hilflose abgehen kann. Der Hilflose, der jetzt nicht mehr so hilflos ist, sondern sich durch die Hilfe eine große Sicherheit und einen Usus, ein Denk- und Fühlmuster erarbeiten konnte, von dem er letztendlich auch überzeugt sein kann. Aber vielleicht sehe ich das auch alles zu utopisch und so etwas ist bei der Masse an Menschen, die untergehen nicht machbar und ich werde bis an mein Lebensende ein hoffnungsloser, soziopathischer Lebenskrüppel sein. Der stärkste überlebt halt und ich zweifle an der Stärke, die ich mir bisher eingeredet habe.

Es sind nicht nur die Dinge, die man an sich selbst ändern will. Auch die Gewissheit, dass bestimmte Lebens- oder Sichtweisen einfach (noch) nicht von der Gesellschaft akzeptiert werden. Wer würde über Pamela Anderson, die jetzt bereits zum 13. Mal im Playboy erscheint, weil sie einfach die Bestätigung und die Aufmerksamkeit braucht, obwohl sie schon längst ihren Zenit überschritten hat, denken: Man, wann wird die mal endlich gechillt und vernünftig und setzt sich zuhause hin und zockt den ganzen Tag WOW, statt (so eine nervige attention whore zu sein) schon seit Jahren stetig am eigenen Erfolg zu arbeiten und dafür bewundert zu werden? Absurd, der Gedanke. Einfach, weil bestimmte Lebensstile einfacher oder komplett von der Gesellschaft akzeptiert werden und andere kaum oder überhaupt nicht. Kein Mensch wird dafür bewundert und komplimentiert, dass er den ganzen Tag Online-Rollenspiele zockt. Warum nicht? Stattdessen werden Menschen dafür in den Himmel gejubelt, dass sie den ganzen Tag Fußball spielen oder einfach nur schön aussehen oder dicke Möpse haben. Menschen werden dafür belohnt und bejubelt, dass sie Entscheidungen darüber treffen, wer für sie die Drecksarbeit macht. So ganz richtig ist das alles nicht. Und ich weiß nicht, wann und inwieweit ich etwas daran ändern kann, aber ich versuche es.

Und während ich seit Tagen an diesem Text schreibe in dem hoffnungslosen Versuch, mir selbst zu helfen, mir selbst Mut zuzusprechen, die Situation zu analysieren, die Zweifel zu zerstreuen, die Hoffnung nicht aufzugeben, werde ich auf einmal von der Facebook-Pinnwand meines Freundes geblockt. Ohne Ansage, ohne Grund – einfach so. Nachdem ich die Situation kurz bei zwei lieben Kollegen umrissen hatte, meinte der männliche Kollege: “Wenn ein Mann sagt, dass er sich nicht mehr sicher ist, dann hat er keinen Bock mehr und dann kannst du die Sache abhaken!” Und wenn ich ehrlich bin, dann hört sich das so an, als könnte es stimmen. Ein Mann kennt sich wohl mit so etwas aus. Obwohl ich mir so sehr gewünscht habe, dass es einfach nur eine blöde Phase ist, die wieder vergeht. Und jetzt sind sie wieder da: Die Unsicherheit, der Drang alles irgendwie interpretieren zu müssen und die wildesten Phantasien tun sich in meinem Kopf auf und eine unglaubliche Frequenz der Frage “Warum???”

Ich weiß es nicht und ich kann mir auch keinen Reim darauf bilden und alles was ich machen kann, ist abzuwarten. Fragen will ich nicht – mein Stolz und meine Angst verhindern es. Alles was ich weiß, ist: Egal, wie es weitergeht – es geht weiter. Und was ich noch weiß: Selbst, wenn es keine gemeinsame Zukunft für uns geben sollte… Ich liebe diesen Mann von Herzen. Nur liegt es diesmal nicht an mir für diese Liebe zu kämpfen. Es würde mich tatsächlich umbringen, wenn sich mein Schicksal von 2007/08 wiederholt.

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Ich würde so gerne Soul Blade oder Goemon oder Resident Evil spielen…

Samstag Okt 16, 2010

Vergesst es einfach. Ich bin ein dummer, betrunkener Mensch. Wenn ich heute nicht so lange gearbeitet hätte, hätte ich mir einen Fernseher gekauft. Das wäre wenigstens eine sinnvolle Anschaffung gewesen, statt immer noch hoffnungslos auf jemanden zu warten, den es nicht gibt… Sometimes I simply detest this awfully suckerish life.

Ohne Scheiß, jetzt. Ich brauche zwar sicherlich sechs Stunden, um diesen Text zu tippen, aber das ist mir egal. Ich weiß ziemlich genau, was abgeht, aber das heißt noch immer nicht, dass ich es verstehe. :) Ich bin halt langsam und  zurückgeblieben. Ich bin liebevoll und wertvoll… und.. ach, was zur Hölle rede ich mir eigentlich ein.

Thoughts of a drunkard. Nothing to take seriously. Nothing to take lightly.

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Warum ich gerade weine…

Samstag Feb 27, 2010

Eben habe ich eins meiner E-Mail-Fächer ein bisschen bereinigt. Dabei ist mir eine alte Mail-Konversation untergekommen. Es ging um die Situation damals auf meiner Arbeitsstelle, als ich einen Mann liebte, der mich nicht liebte und stattdessen eine andere Frau liebte und wie ich mit der Situation klargekommen bzw. nicht klargekommen bin.

Es ist gerade alles wieder hochgekommen. All die Ungerechtigkeiten. All der Schmerz. All die verdrehten Tatsachen. All die Fehlinformationen. All die Fehlentscheidungen und die Fehlempfindungen.

Ich hatte alles verdrängt. Und jetzt weiß ich auch wieder warum. So viel Schmerz und so viel Ungerechtigkeit und so viel Niedertracht kann ein Mensch allein gar nicht aushalten.

Die Mails datieren auf Ende Mai 2008. Ich habe es noch weitere zwei Jahre mit dieser Scheiße ausgehalten. Ich bin nicht Amok gelaufen. Ich habe niemanden umgebracht wie man es mir hintenrum immer wieder leichtfertig und rein spekulativ vorgeworfen hat, um die Schuld präventiv und rückwirkend für andere bequemerweise auf mir konzentrieren zu können.

Zwei Jahre in denen nicht nur mein Gesicht und mein Körper sichtbar gealtert sind, sondern vor allem auch mein Herz und meine Seele.

Nein. Ich will nur noch eines sagen…

Als mir gerade die Tränen in die Augen schossen und ich die Hände über meinen Augen zusammengeschlagen habe, entrang sich meiner Brust nur ein Satz:

“Ich bin so glücklich endlich dort weg zu sein!”

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