Ich habe vorhin in der Badewanne das dringende Bedürfnis gehabt, weiter am kleinen Bodo zu schreiben und nicht erst zehn Jahre ins Land ziehen zu lassen. Eventuell gelingt es mir ja sogar, die Geschichte zu einem Abschluss zu bringen – noch vor 2015 oder so…
Die Episoden sind unter der Kategorie ‘LilBod’ zusammengefasst. Weiterhin habe ich in der Sidebar Seiten mit einer kleinen Auswahl an Stuff von früher verlinkt – unter anderem auch den kleinen, unvollendeten Bodo – damit man die Geschichte ohne störende Kommentare durchlesen kann.
Anbei findet ihr direkt mal Part 3:
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“Er hat was gestohlen?”
“Die Kristallbüste.”
Bodo war sich nicht sicher, ob er richtig verstanden hatte. Verständnislos blickte er in Jaquelines Gesicht, welches wieder so emotionslos und unlesbar geworden war wie zuvor, obwohl man noch deutlich die schmutzigen, langsam wieder trocknenden Rinnsale ihrer Tränen auf ihren staubigen Wangen erkennen konnte. Die herrliche Nachmittagssonne stand an einem sommerlich strahlendblauen Himmel und brannte erbarmungslos auf ihre Kopfhaut zwischen den Haaren nieder. Fast zeitgleich erhoben sich die beiden Kinder und wischten und klopften den Staub von Haut und Kleidung. Geräuschvoll zog Jaqueline die Nase hoch, während sie sich mit dem Handrücken über ihr von den Tränen juckendes Gesicht rieb.
“Und was ist eine Kristallbüste…?” wagte Bodo die neuerlich eingetretene Stille zu durchbrechen.
“Es war sein Teil der Abmachung. Meine Seele gegen die Kristallbüste.”
Wie ein Auto glotzte Bodo dümmlich vor sich hin, denn er verstand noch nicht mal Bahnhof.
“Ich verstehe nicht so ganz…” hub er neuerlich an, doch Jaqueline fauchte ihm gereizt dazwischen.
“Das musst du auch nicht! Lass mich einfach nur in Ruhe, ja?!” Mit steinernem Gesicht wandte sie sich ab und schaute quasi unbeeindruckt mit weit offenen Augen mitten in die gleißende Sonne. Bodo studierte ihr ungerührtes Profil und war sich nicht sicher, wie er sich verhalten sollte.
Mit einem letzten unbeholfenen Klopfer auf seine längst vom Staub befreiten Oberschenkel tat er einen unbeholfenen Schritt in Richtung Schultor, hielt dann inne um sich noch mal nach Jaqueline umzusehen, doch diese blickte nur weiter mit nicht blinzelnden Augen in das Licht und keine weitere Träne folgte den ausnahmsweise vergossenen. Völlig verwirrt und mit kribbelnden Gliedmaßen machte sich Bodo auf den Heimweg, wobei er anfing zu rennen wie ein Irrer, in der Sekunde in der er aus Jaquelines Sichtweite war – die ihm eh nicht hinterhergeschaut hatte.
Zuhause setzte Bodo sich an den Küchentisch und starrte ins Leere. Er hatte schon immer zur Grübelei geneigt und nun stellte er sich eine sommerliche Nachmittagsstunde lang die immer selben Fragen, nur kamen ihm keine Antworten in den Sinn. Was ist da passiert? Was ist eine Kristallbüste? Wer war der absonderliche Mann? Was meinte Jaqueline mit ‘Meine Seele gegen die Kristallbüste.’ Beim Gedanken an Jaqueline überkam Bodo jedes Mal eine kaum auszuhaltende Sehnsucht, die ihn die Augen zusammenkneifen, die Luft scharf einsaugen und kurz anhalten und ihn seine winzigen Hände zu Fäusten ballen ließ. Der kurze Anfall von Schwäche und Verletzlichkeit, den sie ihm offenbart hatte, ließ sämtliche Beschützerinstinkte in ihm brodeln. Er wollte sie in seine schmächtigen Arme schließen, die wohl kaum komplett um ihren sechs Jahre älteren Körper hätten fassen können, über ihr strohiges, blond gefärbtes Haar mit den hässlichen Ansätzen streichen und einen unschuldigen Kuss auf den Mundwinkel drücken, in dem keine Kippe hing. Aber sie hatte ihm unmissverständlich klargemacht, dass er unerwünscht war.
Bodo wurde jäh aus seinen hoffnungslosen Gedanken gerissen, als seine Mutter auf einmal in der Küche auftauchte und ihren Schlüsselbund geräuschvoll auf den IKEA-Küchentisch ‘Leksvik’ knallte.
Krasser Scheiß… Wie kann das schon über fünf Jahre her sein, dass ich diese kleine Ulkgeschichte geschrieben habe? Und was hätte ich in dieser Zeit schon alles tun können? Tja, da möchte ich mich gerne selbst zitieren und sagen: “Es ist nie zu spät. Es ist aber auch nie zu früh!” Sowie: “Heulen kann ich, wenn ich tot bin!” Daher geht es jetzt auch mal weiter mit dem kleinen Bodo. Sonst wird dat ja nie wat…
Am nächsten Morgen also nahm der kleine Bodo seinen gesamten Mut zusammen und sprach Jaqueline an:
“Hi!”
“Tach!” erwiderte Jaqueline mit ihrer rauchzarten Stimme, während sie um eine Zigarette herumsprach. “Dich kenne ich doch… arbeitet dein Vater nicht in der Blumengasse als Kindermetzger?”
“Ja.”
“Wusst ich’s doch! Dein Alter hat mir mal einen kandierten Kinderfinger angeboten, aber ich wollte nicht. Es war Ramadan.”
“Oh.”
Es entstand eine mittellange, peinliche Pause während der nur der blaue Dunst von Jaqueline’s brünetter Gauloise an ihren stahlblauen Augen vorbei in den Himmel stieg.
“Was willst du denn eigentlich von mir?” durchbrach sie schließlich die Stille.
Verschreckt blickte der kleine Bodo in ihr unlesbares Pokergesicht. Ein Gefühl, so als wäre sein heftig klopfendes Herz auf seinen Magen und seine Gedärme gefallen, ließen ihn hilflos herumdrucksen.
“… also, ich… äh… ich dachte… uff…”
“Hä? Was willst du?” Eine von Jaquelines Augenbrauen schob sich gefährlich nah Richtung Haaransatz und jeder, der öfter mit ihr zu tun gehabt hatte, wusste dass dann nicht mit ihr zu spaßen war. Jaqueline gehörte nicht zu den geduldigsten 13-jährigen Hormonkurbeln unter der Sonne.
“… Ich bin gerade dabei einen Roman zu schreiben…”
“Toll.”
“…”
“War’s das?” Asche fiel von der fast bis zum Filter verrauchten Zigarette vor Jaquelines großen Zeh, an dem der knallrote Lack langsam abblätterte.
“… Ich mag deine Blusen und ich… ich wollte mal fragen, ob du nicht mal deine andere Brust zeigen magst…?”
Wenn Jaquelines Gesicht vorher unlesbar gewesen war, so mischte sich jetzt ein sehr wohl verständlicher Akzent in die Fremdsprache mit ein, wenngleich sich ihr Gesicht weiterhin keinen einzigen Millimeter bewegte. Eine sommerliche Brise war es tatsächlich, die eine von ihren blond gefärbten Strähnen sachte an ihrer Wange rieb, aber es fühlte sich für den kleinen Bodo an wie ein eisiger Hauch, der ihm um seine vom unablässigen Spielen vernarbten Kinderbeine in den kurzen Hosen strich.
“Meine linke Brust ist unantastbar, weil es die Brust über dem Herzen ist. Die werde ich niemals rausholen, für kein Geld der Welt!”
Im kleinen Bodo zerbrach etwas, vermutlich etwas tiefer an genau der gleichen Stelle, wo die Jaqueline niemals etwas rausholen würde, denn eigentlich war das Geld aus der Veröffentlichung seines Romans sein Geheimtrumpf gewesen, sollte die Jaqueline sich zieren.
“Okay…”
“Sorry, Kleiner! Aber für dein Butterbrotgeld kannst du ja jederzeit die andere anfassen.”
Man konnte die Enttäuschung in seinem Gesicht so deutlich lesen, wie man in Jaquelines Gesicht nichts lesen konnte.
Bis zu diesem einen Moment, in dem sich alles ändern sollte.
Urplötzlich sprang aus dem Gebüsch neben der Mädchentoilette ein kleiner, glatzköpfiger Mann in einem braunen Cord-Jackett und dunklen, ausgebeulten Leinenhosen und steuerte mit einem Wahnsinnstempo wie ein Ninja direkt auf Jaqueline zu. Durch seine dicken Brillengläser wurden seine wässrigen hellblauen Schweineaugen noch vergrößert, was ihnen einen gierigen und ungestümen Ausdruck verlieh. Vielleicht lag es auch daran, dass der Mann gierig und ungestüm war. Mit seiner stark behaarten linken Pranke stieß er den kleinen Bodo rücksichtslos zur Seite und packte gleichzeitig mit der anderen Hand Jaquelines Blusenkragen. Im Fallen konnte Bodo zusehen, wie der schmierige kleine Mann mit einem Ruck die Bluse über Jaquelines unberührter und unbesehener Brust zerriss und sogleich wurde er von einem hellen Licht, noch heller als die Sonne, geblendet. Ein unmenschlicher Schrei wie von einer Furie zerriss dem kleinen Bodo fast seine Trommelfelle und der Aufprall auf dem Boden presste die gesamte Atemluft aus seinem kleinen Brustkorb. Der Schrei wurde von einem warmen, vollen Ton abgelöst, der in Bodos Ohren pulsierte, so dass sie anfingen etwas zu jucken. Mit einem Mal war das grelle Licht verschwunden, als hätte jemand den Stöpsel in einer Badewanne gezogen und mit genau demselben Geräusch verschwand auch der schwingende Ton.
Verwirrt schaute Bodo nach oben um dort, nachdem sich seine Augen wieder an das Tageslicht gewöhnt hatten, in die weit aufgerissenen Augen von Jaqueline zu blicken und ihren Mund, der fast noch weiter aufgerissen war und in dessen Winkel noch immer die fast erloschene Zigarette klebte. Mit einem diabolischen Grinsen und einem bösartigen Flackern in seinen – hinter der Brille – kleinen Schweineaugen starrte der Mann in Jaquelines sonnenbankgebräuntes Gesicht und brach kurz darauf in ein höhnisches Gelächter aus. In seiner Hand befand sich ein blutroter Beutel aus Samt, dessen goldene Kordel der Mann immer noch laut lachend zuzog. Dann verstaute er den Beutel im Inneren seines Jackets und hob Zeige- und Mittelfinger wie zum Gruße an seine Stirn. So schnell wie er gekommen war, verschwand er auch wieder indem er eine Reihe kleiner Flickflacks machte an deren Ende eine Schraube dafür sorgte, dass man nur noch seinen Rücken in einer immer größer werdenden Staubwolke verschwinden sah. Solch eine Agilität hatte man ihm keineswegs zugetraut.
Mit immer noch weit aufgerissenen Augen sank Jaqueline auf ihre Knie. Ihre rechte Hand tastete unsicher unter ihre aufgerissene Bluse und hielt dort kurze Zeit inne. Als sie nicht vorfand, was sie vorzufinden gedachte, sanken sowohl ihre Hand, als auch ihr Kopf merkbar Richtung Boden. Zusammen mit einem großen Schluchzer sammelten sich in ihren blauen Augen riesige Krokodilstränen, die sogleich mit viel Wucht auf die staubig festgetretene Erde unter ihr platschten. Bodo verstand noch immer nicht so recht, was eigentlich passiert war und rappelte sich langsam und unbeholfen wieder auf.
“Was war das eben…?” hub er an, doch Jaqueline unterbrach ihn.
“Sie ist weg. Er hat sie gestohlen.”
Hahahahaha, und weiter geht es dann in zehn Jahren hier! :) Doei! :D
Ich bin gerade dabei, alte Blogbeiträge aus den Jahren 2006 – 2009 in ein einziges pages-Dokument zu packen um so eine Art digitales Buch zu erstellen. Und schon beim zweiten Artikel vom 26.03.2006 musste ich herzhaft über meine eigene funky fantasy lachen. Anscheinend hatte sake damals noch eine sehr vitalisierende Wirkung auf mein kleines Köpfchen, denn im japanischen Reisschnapsrausch passierte dies:
Und jetzt folgt noch die Geschichte vom kleinen Bodo, die ich mir jetzt kurz ausdenke:
Abends, wenn der kleine Bodo im Bett lag und im Nebenraum die Mutter ein schönes Delphin-Puzzle bearbeitete, und der Vater wie üblich in der Blumengasse Kinderwurst aus echten Kindern zubereitete, dann fühlte sich der kleine Bodo so zufrieden, wie ein Siebenjähriger sich eben fühlen kann. In der Klasse hatte er heute morgen das erste Kapitel seines neuen Romans vorgestellt. Augenblicklich fielen drei seiner Mitschüler tot vom Stuhl und verblieben dort, bis die Putzkolonne sie dort am Mittag mit dem Wischmop aus der Klasse auf den Flur wischen würde. Der Lehrer sagte nur: “In Ordnung!” und chattete dann weiter per Laptop mit Ilse S. aus dem Schwarzwald, die Attrappen von echten Gewürzgurken fertigte und dann bei Ebay an Interessenten für ein kleines Zubrot versteigerte. Aber Bodo ging es auch nicht darum, Lob von seinem Lehrer oder den Mitschülern zu erhalten.
Alles was er wollte, war Jaqueline zu beeindrucken. Die Jaqueline war schon dreizehn und Kettenraucherin. Regelmäßig stand sie auf dem Schulhof, an die Mauer gegenüber dem Mädchenklo gelehnt und ließ eine Brust raushängen. Die war zwar noch nicht so enorm groß, aber schon ziemlich gut besucht, weshalb auch viele schmierige Fingerabdrücke zu sehen waren. Die Kleinen, aus der Vorschule hatten sich wieder nicht die Finger gewaschen und hatten mit Bonbon-verschmierten Pratzen so hoch wie möglich gegriffen. Als Bezahlung gab es dann das Butterbrotgeld, das die fürsorgliche Mama den Kleinen am Morgen in die Taschen gesteckt hatte, damit sie sich möglichst schnell wieder dem Stell-dich-ein mit dem Nachbarn widmen konnte. Von dem Butterbrotgeld holt sich die Jaqueline dann neue Zigaretten. Und manchmal neue Blusen, da bei den anderen meist das Loch, das die Jaqueline da für ihre Brust reinschneidet, ausfranst und dann sieht das ganze ja auch nicht mehr ansehnlich aus.
Und weil die Jaqueline immer sooo schöne Blusen anhat, findet der Bodo die Jaqueline so toll! Mit den Erlösen aus dem Verkauf seines Romans, will der kleine Bodo die Jaqueline bitten, doch auch mal ihre andere Brust rauszuholen, da die eine ja von den vielen Witterungseinflüssen schon ganz mitgenommen ist.
Ob ihm das gelingt, lest ihr demnächst… oder auch nie! *muahaahahaha*
Ich möchte behaupten, dass diese erquickliche Geschichte unbedingt einer Fortsetzung bedarf!
Wir werden sehen, wie weit ich schon im Schreibflow bin um das zu bewerkstelligen. Außerdem wäre vielleicht die ein oder andere Pulle sake in guter Gesellschaft nicht verkehrt! :)
Ihr wisst, was zu tun ist!
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