Wenn ich aufwache, ist das Erste, was ich tue, meinen Facebook-Account zu checken. Ein Tag könnte bedeutungs- oder sinnvoller beginnen – das ist mir bewusst – aber es ist, wie es ist.
Nicht nur springt mir die gefühlt fünftausenddreihundertsiebenundachtzigste ‘Geburtstags-Hitparaden-Meldung’ wie ein ekelhaft krätziger Köter mit einem verrottenden Rattenleichnam zwischen seinen Zähnen ins Gesicht – für mich unverständlich populär, trotz seines im Minusbereich angesiedelten Unterhaltungs- und Informationswertes.
Nein, es wird auch dazu aufgefordert Wulff den ‘Schuh zu zeigen’. Was auch immer das genau bedeuten soll – im Informationstext des Facebook-Events, wird es jedenfalls nicht näher erläutert. Meine erste Assoziation ist der Typ, der George W. Bush mal mit seinen Schuhen beworfen hat:
Thumbs up for this comment by kinglordstr8, btw: ‘Bush should be a dodge ball player thumbs up if u agree lol’
Definition?
Aber was genau soll es bedeuten? Soll Wulff seine ‘Beine in die Hand nehmen’? ‘Sich vom Acker machen’? ‘Seinen Hut nehmen’? ‘Wer ohne Sünde sei, der werfe den ersten Schuh’? Und sind die Event-Ersteller einfach zu doof für das richtige Sprichwort? Wenn ich ‘den Schuh zeigen’ google, erschließt sich mir einerseits, dass diese Geste wohl durchaus eine plausible Beleidigung in einigen Kulturräumen darstellen kann. Allerdings ist der Rest der SERP eine Ansammlung von Guttenberg-Artikeln, die diesen – wie jetzt Wulff – zum Rücktritt veranlassen sollten.
Die Art und Weise?
Und genau das ist es auch, woran es mich erinnert: Das schwatzhafte Flügelschlagen fast einer ganzen Nation, die sonst größtenteils von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, aber gerne auf den Bandwagon aufspringt, wenn es gilt, sich künstlich zu echauffieren und zu entrüsten, mit dem Finger auf andere zu zeigen, so lange man sich nicht selbst mit seinen Unzulänglichkeiten befassen muss.
Ich möchte das nicht falsch verstanden wissen – ich heiße sicher nicht zu hundert Prozent gut, wie sich Wulff oder von und zu Guttenberg oder Sauerland verhalten – teilweise heiße ich es überhaupt nicht gut und der Wunsch, nach Rücktritt des ein oder anderen Volksvertreters, ist durchaus nachvollziehbar und/oder gerechtfertigt. Und satirische Witze über hinterlassene Nachrichten auf Anrufbeantwortern von ‘Normalbürgern’ finde ich genauso erheiternd, wie alles andere. Das ist Satire – das ist gedurft.
Das heißt aber nicht, dass ich die sonstigen Methoden der ‘Gegenseite’ – ein Volk, das sich dazu ernennt – um einen Rücktritt zu erwirken oder eher zu erzwingen, in seiner mobhaftigen, fackel- und mistgabelschwingenden, hetzerischen Stammtischnerei unterstütze oder ein solches Verhalten in irgendeiner Art und Weise als kultivierter, aufgeklärter oder angemessener ansehen könnte, als die Verhaltensweise, die es versucht zu verurteilen!
Wo immer es darauf hinausläuft, dass ein Mob aus Millionen sich zum erklärten Feind eines Einzelnen oder einer kleinen Gruppe entwickelt und Mottos und Parolen gefährlich nahe an Selbst- und Lynchjustiz heran geraten, schrillen bei mir alle Alarmglocken! So nicht, Leute!
Die Relation?
Ich mag auch eigentlich keine Totschlag-Argumente, à la ‘anderswo verhungern Kinder’ – aber in diesem Fall, mal wieder – zumindest zu einem gewissen Prozentsatz – berechtigt: Habt ihr nichts Wichtigeres zu tun, Leute? Vor allem euch mal an eure eigene Nase zu packen? Kehrte jeder vor seiner eigenen Tür, würde jede Stadt, jedes Jahr den Preis der ‘Saubersten Stadt’ einheimsen. Auch ein Wulff muss selbst auf den Trichter kommen, dass er zurücktreten kann oder vielleicht sollte. Aber es ist nicht an uns – zumindest nicht auf direktem und schon gar nicht auf so einem unzivilisierten Wege – darüber zu entscheiden. Er wird seine Gründe haben, warum er sich auf eine bestimmte Art und Weise verhält oder nicht verhält. Das ist kein Grund für uns, uns ebenso unangemessen zu verhalten und Gleiches mit Gleichem zu vergelten.
Eine Lösung?
According to Plutarch it was the citizens of Delos who consulted the oracle at Delphi, seeking a solution for their internal political problems at the time, which had intensified relationships among the citizens. The oracle responded that they must double the size of the altar to Apollo, which was a regular cube. The answer seemed strange to the Delians and they consulted Plato, who was able to interpret the oracle as the mathematical problem of doubling the volume of a given cube, thus explaining the oracle as the advice of Apollo for the citizens of Delos to occupy themselves with the study of geometry and mathematics in order to calm down their passions.
Vielleicht sollte sich der ein oder andere mal (vielleicht auch meditativ; ist wie Puzzlen!) mit ein wenig Weiterbildung befassen, statt wie ein blinder, halb-gegarter Hahn jedem Unkenruf hinterher zu krähen?
Facebook-Gruppen und -Events, wie diese sind vor allem eines: Lächerlich! Wenn ihr wirklich wollt, dass sich etwas ändert, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Wählt beim nächsten Mal gescheiter, damit unsere ‘repräsentative’ Demokratie folglich einen gescheiteren Bundespräsidenten wählen kann.
- Wendet euch direkt und persönlich an die Mitglieder des Bundestages, damit diese entweder einen Organstreit oder eine Präsidentenanklage (gegebenenfalls wegen GG Art. 5) bemühen können.
- Schreibt dem Wulff einen persönlichen Brief oder sprecht ihm auf den Anrufbeantworter.
- Hört auf, lebende, fühlende Menschen wie Schweine durch’s Dorf zu treiben, nur weil ihr es könnt! Packt mal ein bisschen mehr Empathie und Humanität in die Waagschale, damit eure evolutionstechnischen Neanderthaler-Keulen nicht zu tief durchhängen. Was seid ihr? Eine Rotte halb verhungerter, intellektuell ausgemergelter Dorfhunde?
Tabloid Junkie – ‘You’re so damn disrespectable’
Nicht zu vernachlässigen ist in dieser Situation die Macht der Medien und die Kraft der Manipulation.
Eines meiner Lieblingslieder von Michael Jackson, welches mir zu dem Thema einfällt, handelt von den Problemen mit Medien und Nachrichten, mit denen wir uns täglich konfrontiert sehen – oder eben nicht konfrontiert sehen, weil sehr viele Menschen konsumieren, ohne zu hinterfragen, ohne zu reflektieren und mit ihrem Konsum ein Blatt wie die ‘BILD’ am Leben halten:
[...] And you don’t have to read it (read it)
And you don’t have to eat it (eat it)
To buy it is to feed it (feed it)
Then why do we keep foolin’ ourselves
Just because you read it in a magazine
Or see it on the TV screen
Don’t make it factual
Though everybody wants to read all about it [...]
Weiterhin beschreibt es die Problematik, wie Medien und Nachrichten – Informationen im Allgemeinen – viel zu manipulierbar sind und oftmals dazu genutzt werden (können), eine bestimmte Stimmung zu erzeugen, teilweise sogar (bewusst oder gewollt) Fehlinformationen zu verbreiten oder schlichtweg Spekulationen zur unumstößlichen Wahrheit zu erheben. Michael Jackson vermischt dabei seine eigenen Erfahrungswerte mit Medien (von denen er ja genügend ansammeln konnte) mit den Fallbeispielen von John F. Kennedy und Marilyn Monroe:
[...] JFK exposed the CIA
Truth be told the grassy knoll
As the blackmail story in all your glory [...]
[...] Just because you read it in a magazine
Or see it on the TV screen
Don’t make it factual, actual
They say he’s homosexual [...]
[...] Heroine and Marilyn
As the headline stories of
All your glory [...]
[...] Just because you read it in a magazine
Or see it on the TV screen
Don’t make it factual, actual
She’s blonde and she’s bisexual [...]
‘We killed Michael Jackson’ ist eine Kategorie in meinem Blog, die ich nicht ohne Grund gewählt habe – um immer wieder darauf hinzuweisen, wie Medien – und damit sind auch wir mit unseren Blogs und öffentlichen sozialen Profilen im Netz gemeint – dazu beitragen können, Menschen völlig zu zerstören und so weit in Ecken zu drängen, aus denen sie sich nicht mehr befreien können, bis sie schlussendlich – nicht freiwillig! – aus dem Leben scheiden. Besonders schön in den folgenden Zeilen festgehalten:
[...] It’s slander
You say it’s not a sword
But with your pen you torture men
You’d crucify the Lord [...]
Alles sollte in Maßen genossen werden. Selbst Wasser. Wer wüsste besser als ich, welches Unheil es anrichtet, wenn man sich zu sehr zu einer Seite hinlehnt und in Extreme verfällt? Die Wahrheit liegt immer irgendwo dazwischen. Ich will keine Zensur üben und auch keine ausgeübt wissen, aber ich will auch nicht unbesehen alles glauben, was man mir auftischt. Und vor allem will ich nicht makrophagisch anderer Leute Seele fressen. Nichts gegen die Schwarmintelligenz, aber so langsam sollten wir uns doch von dem barbarischen ‘survival of the fittest’-Gedanken lösen, sonst wird das niemals etwas, mit dem Weltfrieden.
Wer ohne Sünde sei, werfe den ersten Apfel und reiße damit die Traditionsmetzgerei des Unvertrauens ein!
Den Rest des Textes übernimmt mein evil-mad Part ‘Blossoms Mc Evilboobs’. Weil ich es, als ‘Missionierung durch manipulierte Information’, aktuell-passend finde:
Der derzeitige Vegetarier-/Veganer-Shitstorm gegen die ING-DiBa aufgrund dieses Werbespots
Thumbs up for this comment by youwillshitbrix, btw: ‘Helga ist anscheinend auch groß und stark geworden.’
Alter, die Alte hat sie nicht mehr alle auf dem Christbaum! Diese scheiß Propaganda von Leuten, die ihre zusammenmanipulierten Nachrichten und Informationen, ihre wirren Spekulationen und passend geklöppelten Gedankengebilde als unumstößliche Wahrheit unter Zuhilfenahme von Kreation subtiler Gewissensbisse und offener Erniedrigung anders denkender Menschen oktroyieren wollen!
Es ist kein Wunder, wenn man in dieser Welt einfach nur noch depressiv ist und sich am liebsten entleiben möchte, bei all diesem widerlichen Nazi-Fascho-Pack! (Da habt ihr euren Godwin – ging schneller als gedacht – you’re welcome!)
Ich habe absolut nichts gegen Vegetarier und bin zumeist eher beeindruckt und bewundere, dass es Menschen gibt, die so wider ihre Natur handeln können und so viel Willensstärke aufbringen – ich kann das nicht.* Aber militante Vegetarier, die versuchen zu missionieren und am liebsten jeden Metzger und Schlachter in ihrem eigenen Blut ersäufen würden, die halte ich – jeden einzelnen von ihnen – für einen kleinen Privat-Hitler!
* ich kann das nicht und WILL es auch nicht! Und ich esse jetzt gleich eine WURST! AUF DIRK NOWITZKI!
In diesem Sinne: Guten Appetit, egal ob ihr die neuesten Springer-Medien verschlingt, eine Wurst oder einen vom einem Baum freiwillig geschenkten Apfel!
Zum Ende des Jahres hin wird es immer besonders trostlos und verzweifelt. Wenn jeder sich seine guten Vorsätze für’s neue Jahr überlegt, aber der jungen Frau nichts einfällt, weil einfach nichts wirklich einen Sinn macht.
Die Jalousien hat sie schon seit Wochen nicht mehr hochgefahren. Wofür auch? Die Rechnungen und Briefe liegen unbezahlt und ungeöffnet auf einem Stapel in dem Schreibtischregal. Aber immerhin: Den Briefkasten leert sie noch des Öfteren und der Stapel zeugt auch von einer gewissen Restordentlichkeit. Das Bad ist geputzt. Und sie nimmt fleißig Pakete für ihre Nachbarn an, weil sie vermutlich die Einzige ist, die tagsüber zuhause ist. Der Postbote klingelt sie zwar immer aus dem Tiefschlaf, aber das ist okay. Sie fühlt noch ein wenig die Verantwortung, ein winziges Bisschen zum Allgemeinwohl beizutragen.
Aber das reicht ihr nicht. Sie will ein kompletter Mensch sein. Sich nicht halb fühlen oder nutzlos oder wertlos oder sinnlos. Viele Monate und Jahre hat sie es versucht; hat sie nachgedacht über den richtigen Weg und verschiedenste Modelle ausprobiert. Aber keines konnte sie glücklich machen. Keines machte einen tatsächlichen Sinn.
Sie wollte Alkohol trinken, weil es Spaß macht, weil sie lockerer wurde, weil es sich warm und geborgen anfühlte, weil sie eh nur dieses eine Leben hatte und warum dann nicht tun, wonach ihr der Sinn stand?
Sie wollte keinen Alkohol trinken, weil der ihrer Gesundheit abträglich ist, weil er sie alt und hässlich aussehen und Dinge tun lässt, die sie hinterher bereut und weil er in ihr den Part entfesselt, den sie lieber gebunden sieht.
Sie wollte heiraten und eine Familie gründen, ein geordnetes, stabiles Leben führen und sich den gesellschaftlichen Normen und Vorstellungen anpassen und fügen. Für den Rest des Lebens mit einer anderen Person verwachsen.
Sie wollte nicht heiraten und keine Verantwortung für irgendjemanden übernehmen und sich schon gar nicht ihre Freiheit nehmen lassen. Sich die Möglichkeit bewahren, jederzeit spontan sein zu können, ihre Liebe vielen geben und keinen bevorzugen; den verhassten, überholten Normen ein Schnippchen schlagen, nur um dann festzustellen, dass sie so nur jeden Menschen verletzt und für den Rest ihres Lebens Forever Alone ist.
Sie wollte arbeiten und selbst für ihr Überleben verantwortlich sein, aber versagte auf ganzer Linie, weil die soziale Interaktion und der nähere Umgang mit Menschen für sie ein unüberwindbares Problem darstellt. Das Dilemma der Stachelschweine, immer und immer wieder. Mit ihnen geht es nicht, ohne sie auch nicht.
Sie will nie wieder arbeiten und sich dem ausbeuterischen System fügen, wie all die anderen Lemminge, die sich beugen ohne nachzufragen, ohne die Welt besser machen zu wollen. Dann wiederum, wofür? Was ist ein Menschenleben tatsächlich wert, wenn man mal all die Politische Correctness abzieht, die dort gerne immer dick drauf gestrichen wird, wie auf ein viel zu süßes, triefendes Marmeladenbrot? Ein Menschenleben ist nichts wert.
Und daher wird zum Jahresende, wenn keine Besserung in Sicht ist, der Gedanke sich selbst aus dem Leben zu nehmen zwar immer noch ein schreckvoller, aber trotzdem mittlerweile eine nicht mehr fremde Option. Was kann ihr das Leben noch bieten? Was kommt da noch, das sie wirklich glücklich machen kann, wenn alles, was ihr sofort in die Augen springt immer nur die Down-Seite einer Sache ist? Gibt es überhaupt echtes Glück? Eines, das anhält und nicht nach einigen Minuten verfliegt, wie ein billiges Parfum? War nicht alles bisher immer nur ein Selbstbetrug? Die Frau fühlt große Angst, dass sich ab jetzt alles immer nur endlos wiederholen wird. Dass alles ein endloses Zeitabsitzen wird, mit ständigen Irrungen und Wirrungen darüber, was der richtige Weg ist und niemals ist jemals eine Antwort in greifbarer Nähe.
Die Angst bestimmt sowieso seit einiger Zeit viel deutlicher ihr Leben. Früher ist sie ihr nie so wirklich bewusst gewesen, aber nun sieht sie sie fast täglich – wie sie sie mit purpurnen Schleiern umweht und ihre kalte Hand direkt um ihr Herz schließt, als hätte sie keine Form, als bestünde sie nur aus alles durchdringbarem, kalten Rauch.
Das Mädchen liegt in der Badewanne und nennt sich Mädchen, weil sie mit 30 Jahren immer noch nicht erwachsen im originären Sinne ist. Sie stellt sich vor, welche Erleichterung es sein müsste, wenn lange Schlitze im Unterarm all ihr Blut in das Wasser abgäben und dort die schönsten floralen Muster zögen. Wenn sich der Körper langsam mit Wasser füllte oder man sich das zumindest einbildete, weil einem die Sinne nach und nach schwänden. Wenn die Farbe nicht mehr nur rot wäre, sondern einem auf einmal bunte Lichter und Schlieren vor den Augen tanzten und die Glieder auf einmal taub, kalt und empfindungslos würden, obwohl man in sehr heißem Wasser läge. Sie weiß, sie man soll dafür eigentlich kaltes Wasser nehmen, aber sie hat doch solche Angst zu frieren. Wenn sie schon zum letzten Mal ihre Haut spürte, dann doch bitte warm.
Wärme.. Echte Wärme, metaphysische Wärme, eine viel zu selten in ihrem Leben auftauchende Erscheinung. Und dann wiederum Jammern auf hohem Niveau. Nie war sie obdachlos, die Heizung funktioniert. Nie war sie ernsthaft körperlich krank oder beeinträchtigt, nie war sie wirklich allein – allein gefühlt hat sie sich so und gegen das Gefühl hat sie so stark gekämpft, aber am Ende verloren? Sie ist sich immer noch nicht sicher – mit aller Macht sucht sie die Antwort und schwankt wie ein betrunkener Seemann zwischen den Extremen hin und her. Aber die Zeit, die es braucht sich auf einen begehbaren Mittelweg einzupendeln erscheint ihr endlos und sinnlos und fruchtlos – denn wenn die Extreme sie schon nicht extrem glücklich oder extrem traurig machen können, wie soll dann die Mitte aus beiden sie nur ein bisschen glücklich oder ein bisschen traurig stimmen können? Die Tränen wollen einfach nicht fließen, das Lachen erstickt ihr im Halse.
Das Denken strengt an, weil sie sich mit Full Speed im Kreis dreht, wie ein Motorrad, das mit einem kurzen Stahlseil an einen Betonpfahl gebunden ist und nur in einem kleinen Radius dort drum herum fahren kann, während es Schmutz, Erde, Holz, Gras und Steine in alle Richtungen davonfetzt und alles in seinem Umkreis zerstört und beschmutzt. So fühlt sich ihr Leben an. Wie dieses Motorrad. Wenn sie es überhaupt mal zum Starten bringt, dann fährt sie nur im Kreis. Die Landschaft ist immer gleich und die Leute um sie herum, wenden sich schlammbesprüht und mit blutenden Platzwunden von den fliegenden Kieseln irgendwann entnervt oder hoffnungslos oder hilflos ab, weil diese rücksichtslose Motorradfahrerin alles in ihrem Weg zerstört. Wenn es wenigstens ein Weg wäre. Es ist ein Kreis.
Das Mädchen ist entmutigt, hoffnungslos, hilflos, leer, verzweifelt. Und es ist zornig. Sie hat so lange auf die blauen Kacheln gestarrt, bis diese angefangen haben vor ihren Augen verhöhnend zu flirren. Am liebsten würde sie jede einzelne dieser frechen Kacheln mit ihren Fingerknöcheln zerschlagen und zersplittern. Das heiße Wasser in der Badewanne kann ihr auch keine Genugtuung mehr verschaffen. Es ist alles einerlei, es ist alles eitel. Sie wartet nicht einmal mehr, bis es lauwarm genug ist, um es endgültig abzulassen, weil sie doch sonst immer die Verschwendung hasst. Das perfekt heiße Wasser landet im Abfluss und zitternd und wütend steht das Mädchen vor dem Spiegel und sieht sich selbst in seine hasserfüllten, glitzernd-verzweifelten Augen. Mit viel Wut putzt es sich die Zähne so hart, dass das Zahnfleisch anfängt zu bluten. Und das ist das einzige Blut, dass sie an diesem Tage sehen wird. Zumindest, was ihr eigenes angeht.
Ich weiß, der Text ist nicht ganz gut und schlüssig zu lesen, aber ich rege mich gerade auf und wollte das loswerden.
Gerade entdecke ich wieder einen Artikel zur Love-Parade-Katastrophe in meinem News-Feed. Das Unglück jährt sich nächsten Monat zum ersten Mal und natürlich werden meine Nachrichtenboxen dann wieder voll sein mit Meldungen darüber, wie echauffiert die Duisburger Bürger und wie in quasi Sekundenschnelle 52.000 Stimmen für ein Bürgerbegehren zur Abwahl des OBs zusammengekommen sind. Bah, ich könnte kotzen über die Widerlichkeit dieser ganzen Sache!!! Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte!
Es geht hier doch gar nicht mehr um die Opfer und das Gedenken der Toten, denn dieses Hexenjagd-Spektakel einer einzigen Person gegenüber ist meiner Meinung nach so ziemlich die ekelerregendste und unpassendste Art und Weise seinen geliebten Dahingeschiedenen Respekt und Würde im Tod zu erweisen, die ich mir vorstellen kann. Aber worum geht es hier eigentlich? Das wüsste ich nämlich auch gern, weil ich es einfach nicht VERSTEHE!!! Was zur Hölle ist los mit euch Menschen? Wann seid ihr endlich zufrieden? Wenn Sauerland sich dann endlich einen Strick genommen hat??? Ja, der Mann hat einen Fehler gemacht. Vermutlich sogar eine ganze Menge. Ja, er hat sich entschuldigt und er versucht die Situation so gut es geht zu händeln. Nein, man kann verlorene Menschenleben nicht wieder zurückbekommen, aber man kann so lange mit geballter Macht auf einen Menschen einwirken, bis er sich zusätzlich auch noch das Leben nimmt. Ich habe keine Ahnung, wie es um die Suizidgefahr eines Adolf Sauerland bestellt ist, aber die Morddrohungen ihm und seiner Familie gegenüber letztes Jahr… da fehlen mir einfach die Worte! Es birgt für mich schon eine Art Gefahr mich in solch einer Gesellschaft überhaupt nur zu bewegen, die von sich selbst behauptet zivilisiert und aufgeklärt zu sein und wo dann solch eine Scheiße bei rauskommt! Die meisten Leute tun geradezu so, als wäre Sauerland selbst mit seinem Megatonnengewicht über die Leute gestampft! Das ist er aber nicht! Aber viele von uns sind über die Leute hinweggetrampelt, genauso wie wir es jeden Tag seelisch und moralisch tun! Und er ist ebenso wenig alleine an all dem schuld, wie es ungebildeten Bild-Lesern zusteht ihre unsachliche Meinung als allgemeingültig hinzustellen. Denn meine Meinung ist es nicht und deswegen schreibe ich dies!
Den Toten muss Gerechtigkeit widerfahren? Weißt du, was ich glaube: DEN GOTT- UND MUTTERVERFICKTEN LEBENDEN MUSS GERECHTIGKEIT WIDERFAHREN!!! Was habt ihr davon, wenn Sauerland nicht mehr Oberbürgermeister ist? Viele scheinen auch vergessen zu haben, dass auch eine Menge guter Errungenschaften auf Sauerlands Konto gehen, sonst wäre er sicher nicht wiedergewählt worden. Ich habe auch mal fünf Jahre in Duisburg gelebt, aber momentan kann ich mich nur noch für meine Herzstadt schämen! Menschen, die ständig wegen der Vornamensverwandtschaft mit Adolf Hitler Parallelen erkennen wollen, Medien, die fleißig mithelfen die Reputation und Integrität einzelner Menschen komplett zu zerstören, obwohl kaum einer die Wahrheit kennt oder sich zumuten sollte Recht sprechen zu können. Ich rechne Sauerland im Gegenteil sehr hoch an, dass er eben nicht den Schwanz eingekniffen hat und vom Amt zurückgetreten ist – das wäre dann auch wieder nicht gut und feige und pussisch gewesen. Wissen wir überhaupt je, was wir eigentlich wollen? Und er hat eine Menge durchmachen müssen, als Folge der Ereignisse um die Love Parade 2010. Und ich finde, jetzt ist es auch endlich mal wieder gut! Lasst den Mann endlich wieder seine Arbeit machen oder macht von mir aus euer scheiß lächerliches Bürgerbegehren und wählt ihn ab und dann wendet euch wieder wichtigen Dingen zu – es gibt nämlich noch genug Lebende hier in Duisburg, in Deutschland und auf der Welt, denen Hilfe besser zu Gesichte stehen würde. Aber hört, verdammt noch mal auf, auch ein Jahr später noch 21 Tote zum politischen Instrumentarium für euren unbändigen Hass und eure bäuerliche Unaufgeklärtheit zu machen. Ich habe mich mal ähnlich verhalten und wollte Rache und Genugtuung und hielt das alles für Gerechtigkeit und es hat mir nur das Gegenteil von dem gebracht, was ich erreichen wollte. So etwas macht einen Menschen hässlich. Und blind.
Es mehrt sich diesen Monat auch ein weiterer Todestag, nämlich der von Michael Jackson. Ich erinnere mich daran, wie Medien und unaufgeklärtes Volk auch diesen Menschen letztendlich in den Tod getrieben haben – seine Seele zumindest war schon lange vor seinem Körper dahingeschieden. Wenn es dann aber wirklich zu spät ist und man erkennt, was man eigentlich angerichtet hat… Ja, dann ist es halt zu spät! Und dann kann man es nicht rückgängig machen!
We killed Michael Jackson.
Let’s not kill another one.
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