Holes in Souls
Subpar.
Posted by Jean Forte | Under I has frozen to melt Sonntag Okt 23, 2011Stellt euch ein kleines Mädchen vor. Zierlich. Blondes, langes Haar. Es schläft in seinem Bett im Zimmer seiner Eltern. Warum auch immer. Es sind gar nicht seine Eltern. Nicht alle, zumindest. Und das Haus ist groß genug. Mitten in der Nacht wacht es auf, weil es unterdrücktes und dennoch lautes Stöhnen hört. Laut genug um es aus dem Schlaf zu schrecken. Und es zu ängstigen. Lange hört es zu, gefangen in einer Sensation aus Ekel und Neugier, gefangen im Körper, der sich nicht bewegen soll, aus Angst davor, dass diese stöhnenden Erwachsenen bemerken, dass sie wach ist. Der Ekel, der Hass werden übergroß. Was ist das? Sie will das nicht hören, sie will diese eigenartigen zerrissenen Gefühle nicht fühlen. Still fleht ihre Seele stimmenlos, dass diese fremdartigen Geräusche aufhören mögen, weil sie machen, dass sich ihr Magen umdreht und ihr Herz laut und schnell klopft und ihr Kopf rast. Sie will diese Seite von ihrer Mutter nicht kennen, nicht wissen. Sie will das atemlose Flehen nach Sklaventum nicht teilen. Es hört nicht auf. Warum tut ihre Mutter ihr das an? Der Mann tut es, weil es ihn erregt durch das Stöhnen der Mutter das Kind in seine abstrakte Welt zu bannen. Sie will es nicht hören. Für immer kann sie es nicht aushalten, aber es hört sich wie ‘für immer’ an. Mit einem lauten, zornigen Schluchzer schlägt sie ihre Decke zurück und flieht laut weinend ins Wohnzimmer, hinter ihr erschrockene Stimmen und dann erstmal nichts. Im Wohnzimmer ist es muffig, die Straßenlampe scheint durch das Fenster, es riecht nach Blumenerde und der großen Stechpalme in einem riesigen blau emaillierten Tontopf, der aussieht als käme er aus dem fernen Ägypten. Irgendwann nach gefühlten Ewigkeiten kommt der Mann, der Freund der Mutter, den sie einvernehmlich ‘Papa’ nennt, obwohl er nicht ihr Papa ist. Der andere vorher war es auch nicht, aber das weiß sie noch nicht so richtig. Er redet ihr gut zu, an die Worte erinnert sie sich nicht mehr, nur an den süßen Klang, den sie zu vermitteln versuchen. Behutsam verführen sie sie zurück ins Schlafzimmer zu kommen, sich zwischen die Mutter und den Mann zu legen, der die Mutter so herrlich zu quälen vermochte, dass sie diese abartigen Geräusche von sich geben konnte, die gleichzeitig aus dem Paradies und der Hölle zu kommen schienen. Gequälte Sehnsucht aus den Tiefen einer Fotze.
Da liegt das Kind zwischen diesen Menschen – die Mutter nicht mal so alt wie das Kind heute – und ist still und starr und stiert mit geschlossenen Augen an eine imaginäre Zimmerdecke. Die Mutter ist unbefriedigt und versucht zu schlafen und macht nichts und fühlt sich an, wie in einer anderen Welt und niemals anwesend. Ihre Wärme erreicht das Kind nie und es bezweifelt, dass es sie gibt. Der Mann, der gerne ein Vater wäre, aus den falschen Gründen, hat die Hand zwischen den Beinen, nicht seinen eigenen. Er massiert diese kleine Klitoris und fährt schmerzhaft mit seinen rauhen Fingern zwischen den zarten kleinen Schamlippen entlang – langsam, damit die Bewegung die Mutter nicht aufschreckt, aber man weiß nicht, was diese fühlt oder weiß. Das Kind ist still und starr, hart wie Eisen, kalt wie Eis. Bleibt es auch. Besonders die Füße scheinen nie wieder warm zu werden. Es hält den Atem an, den Atem an. Bloß nicht atmen, niemals atmen. Was macht diese Hand da? Die Scheide ist nicht gewaschen, man darf sie nicht anfassen – es ist etwas Dreckiges. Das Kind weiß nicht mehr, wo es diese Worte gehört hat, aber es hängt zwischen diesen drei Seilen: dreckige Scheide, nicht atmen, kalte Füße.
Es weiß gar nicht mehr, wann die Nacht aufhörte. Es scheint sie dauert noch an.
Irgendwann, an einem anderen Tage liegt das Kind auf der Seite und umarmt sich selbst. Es hat die Beine angewinkelt, aber die Hose ist heruntergezogen von diesem Mann und er befingert sie von hinten, zieht ihre Pobacken auseinander, schnüffelt, mustert sie still und doch nicht still, weil sie das schmatzende Geräusch in seiner Hose hört. Das ist seine Lieblingsposition – das kleine hilflose Bündel, dessen Gesicht er nicht betrachten muss. Er piekt mit seinem Finger zwischen ihren schlanken, schlaksigen, kalten Beinen herum. Tief, tiefer, es tut sehr weh, sehr weh. Er sagt ‘Nicht zusammenzucken, auch wenn es sich anfühlt wie eine Blasenentzündung.’ Wie fühlt sich eine Blasenentzündung an? Das Kind fühlt einen Schmerz wie ein Brennen, langsam, langsam, nie enden wollend. Etwas drückt und drückt und drückt, wie ein Gewicht aus Blei, dass sich von allen Seiten auf die jungen Beckenknochen niederlegt. Es will alle Muskeln anspannen um den Schmerz auszuhalten, aber weiß genau, dass es den Schmerz nur schlimmer macht und ist gefangen zwischen der Notwendigkeit von Anspannung und Entspannung. Was ist richtig, wann hört es auf? Es brennt, wie die Hölle, während der Mann langsam Löcher in die Seele fingert und sticht, die sich nie wieder schließen werden. Sehr viel später wird sie sich wundern, warum ihr Jungfernhäutchen nicht wie ein gespannter Bogen über ihrer Seele liegt, um zu verhindern, dass sie ausläuft, sondern nur noch wie eine Hängebrücke über einem bodenlosen Abgrund wankt – denn die Sägeblätter, die an den Rändern ihres AT-Feldes sägten und zerstörten, hatte sie da längst vergessen und verdrängt. Aber sie will nicht diese seltsamen Geräusche eines uralten Schmerzes stöhnen, die ihr solche Angst bereiten, daher stehlen sich stumme, stille Tränen über ihren Nasenrücken auf die Seite, auf das Tischtuch, denn sie liegt auf dem Tisch wie ein Objekt, ein zu untersuchendes Objekt, denn das ist die Ausrede, mit der man sie dorthin gelegt – auf Krankheiten untersuchen. Notwendig. Tief in der Seele, die tiefsten Krankheiten. Die Krankheiten der eigenen Seele, die der Mann in der kleinen Scheide eines Mädchens sucht. Wird ein solcher je fündig?
Wie erleichtert und gleichzeitig verzweifelt die durchlöcherte Seele das Ende der Untersuchung empfängt. Die Tränen schnell beiseite gewischt aus Angst vor dem Ärger, denn man weiß, dass man ihn bekäme, wenngleich auch nicht aus welchem Grunde. Man weiß für den Rest seines Lebens, dass man immer an allem schuld sein wird, immer Angst vor dem Ärger, immer Angst vor der Konfrontation, immer Angst vor der Ablehnung. Davor, dass jemand Löcher in die Seele reißt, und gleichzeitig immer auf der Suche nach einem willkürlichen Penis, der die durch die Vagina in die Seele gerissenen Löcher wieder stopfen mag. Gefickt wird nicht nur der Körper, sondern die Seele darin, aber nie gestopft. Das nie enden wollende Leid der jungen, immer noch kindlich befangenen, im Kinde gefangenen Frau.
Kein Ende.

gelesen. gelitten. man will gar nicht, dass die anderen einen jetzt irgendwie besonders behandeln, oder? weil man auch ganz viele ganz andere seiten hat. ich glaube, das kleine mädchen ist heute trotzdem eine begeisternde frau geworden.
Sprachlos bin ich früh am Morgen eher selten. Dies Geschriebene hier verstaubt meine Kehle und füllt meine Augen mit Wasser.
Während hinter mir meine Tochter spielt und darauf wartet das ihre Mutter aus Berlin zurückkommt wo sie ihren Neuen Vögelt.
Ekel, Trauer, Mitgefühl, Übelkeit.
Ich weiß nicht was genau ich nach dem Lesen jetzt fühle.
Anti-Spam-Word: pain
Bitte vergebt mir, wenn ich gar nicht viel dazu sage – aber eure Kommentare dankbar gelesen habe. :)
[...] Waschsalon, die Wäsche waschen!’ An dem Abend habe ich mich hemmungslos betrunken und über Kindesmissbrauch geschrieben, weil so viel in mir aufgewühlt wurde und du so viele Worte in mich reingeworfen hast, [...]